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HEINZ Magazin Wuppertal 02-2016

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HEINZ Magazin Februar 2016, Ausgabe für Wuppertal, Solingen, Remscheid

BÜHNE TIPP DES MONATS

BÜHNE TIPP DES MONATS Else und Marc Die Dichterin und der Maler Als sie sich in Berlin kennenlernen, ist vom ersten Moment an klar: Die Chemie stimmt. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die vier Jahre dauert. Dann stirbt Franz Marc auf dem Schlachtfeld von Verdun. Das war vor genau 100 Jahren. Der Beziehung zwischen Marc und Else Lasker-Schüler ist Heiner Bontrups neuestes Stück gewidmet. Im HEINZ-Interview äußert er sich zu Idee und Umsetzung der Multimedia-Produktion, die am 10.2. im Opernhaus Wuppertal zu erleben ist. HEINZ: Herr Bontrup, in Ihrem Stück über die Freundschaft zwischen der Dichterin Else Lasker-Schüler und dem Maler Franz Marc vereinen Sie unterschiedliche Gattungen der Künste: Tanz, Schauspiel, Gesang, Musik, Literatur. Das Ergebnis dieser Synthese ist das Gesamtkunstwerk „Der Blaue Reiter ist gefallen. Oder: Europa am Abgrund“. Woher kommt Ihre Vorliebe für diese Ausdrucksform? Heiner Bontrup: Als Mitverfasser des von E. Dieter Fränzel und Rainer Widmann (JazzAge) herausgegebenen Buches „Sounds like Whoopataal. Wuppertal in der Welt des Jazz“ habe ich unter anderem das Porträt von Peter Kowald geschrieben. Als wir uns überlegt haben, wie wir das Buch präsentieren wollen, haben wir gedacht, dass es schön wäre, wenn wir es mit Musik kombinierten. Es ist ja doch auch das Porträt eines Musikers. Das war für mich die erste Erfahrung des Zusammenspiels verschiedener Künste. Der Band erschien 2006. Dann habe ich mich mit weiteren Projekten beschäftigt – u.a. „Die Ernst Höllerhagen-Story”, in der es um einen Wuppertaler Musiker in der NS-Zeit geht. Daraus haben wir das erste kleine Stück gebaut. Damals noch mit ganz einfachen Projektionen, später immer komplexer hinsichtlich Technik und Methoden. Es entstanden weitere multimediale Inszenierungen wie „German Song“ (2013) und „Sunays Erwachen Oder: Der Neue West-östliche Divan“ (2014). Im Titel greifen Sie ein Zitat aus Else Lasker-Schülers Nachruf auf Franz Marc auf. „Der Blaue Reiter ist gefallen. Er war zu jung zum Sterben.“ Wie ist Ihr Zusatz „Europa am Abgrund“ einzuordnen? Den Nachruf verfasste Else Lasker-Schüler, nachdem Franz Marc am 4. März 1916 an der Westfront in der Nähe von Verdun gefallen war. Sie erlebt den Tod ihres engen Freundes aus einer tiefen persönlichen Betroffenheit heraus. Am Ende des Nachrufs lässt sie den Blick auf Europa insgesamt schweifen. Denn sie weiß, dass nicht nur Franz Marc, sondern viele Menschen in diesem Krieg gestorben sind. Man nennt den Ersten Weltkrieg auch die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Insofern ist das persönliche Erlebnis, das Else Lasker-Schüler hatte, als ihr Freund Franz Marc gefallen war, in enger Verbindung zu sehen mit der Situation in Europa. In ihrer Deutung wirft die Ahnung des Zweiten Weltkriegs schon seine Schatten voraus. Den Zusatz „Europa am Abgrund“ kann man von daher übertragen auf den Zweiten Weltkrieg. Mit Blick auf die Gegenwart ist er darüber hinaus in Verbindung zu sehen mit den aktuellen Krisenherden in Europa. 60 | HEINZ | 02.2016

« Else Lasker-Schüler war nicht nur Dichterin, sondern auch eine sehr begabte Zeichnerin, wie ihr Bild „Prinz Yussuf mit Theben“ zeigt. Theben war für Else Lasker-Schüler der magische Ort der Poesie, an dem alle Streitigkeiten im Frieden münden. (oben) Léa Thomen entwickelt eine eigene Choreografie für ihren tänzerischen Part in dem Multimedia-Stück „Der Blaue Reiter ist gefallen. Oder: Europa am Abgrund“. (unten) KLAUS MITTELDORF Mit welchen Mitteln setzen Sie die Geschichte der Freundschaft zwischen Franz Marc und Else Lasker-Schüler in Szene? Gespielt wird vor dem Hintergrund eines Videobühnenbildes, das der Wuppertaler Filmemacher Frank N gemacht hat. Es knüpft an die Zeit an, als während des Epochenumbruchs vom 19. zum 20. Jahrhundert auch das Kintopp geboren wurde. Damals wurde zu den Kinostücken Livemusik eingespielt. Das machen wir in unserem Stück auch. Vor dieser Kulisse agiert die Französin Léa Thomen als Tänzerin, Schauspielerin und Sängerin. Sie ist fast während der ganzen Aufführungsdauer auf der Bühne. Da braucht sie sicher eine überdurchschnittliche Kondition? Überdurchschnittlich, ja. Aber nicht übermenschlich. Das Stück dauert 90 Minuten. Léa Thomen verkörpert Else Lasker-Schüler. Dabei spielt sie drei unterschiedliche Rollen, die in unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen angesiedelt sind: Else Lasker-Schüler zu Beginn des 20. und die Gestalt ihrer Urenkelin zu Beginn des 21. Jahrhunderts sowie die historische Else Lasker-Schüler und deren Alter Ego Prinz Yussuf. Das klingt spannend. Wechseln Sie auch auf der literarischen Ebene zwischen Fiktivem und Historischem? Die Geschichte ihrer Urgroßmutter, die Thomen als Rahmenhandlung erzählt, ist eine surreale poetische Fiktion. Sie beruht auf der Annahme, dass Else Lasker-Schüler bei einer Freak-Ausstellung den schönsten Mann der Welt trifft, einen Polynesier. Den nimmt sie mit zu sich nach Hause und neun Monate später kommt ein Kind zur Welt, Elses Tochter. Der Tahitianer fährt, weil er es vor Heimweh nicht aushält, mit seiner Tochter zurück in die Heimat. Dort wächst eine neue Generation heran. Der jüngste Spross ist Elses Urenkelin. Der historische Briefwechsel zwischen Else Lasker-Schüler und Franz Marc hingegen wird als Schauspiel inszeniert mit Claudia Gahrke als Else und Olaf Reitz in der Rolle des Blaue Reiter-Malers. Von wem stammt die Musik? Der Pianist Jan Marc Reichow wird zu dem Videobühnenbildfilm eine Livemusik einspielen – zusammen mit dem Wuppertaler Musiker Charles Petersohn. Die Musik orientiert sich zunächst einmal an der Zeit von Else Lasker-Schüler und Franz Marc. Dabei steht im Mittelpunkt das Klavierstück von Maurice Ravel „La Valse“. Für Ravel selbst war „La Valse“ ein Danse Macabre, also ein Totentanz. Léa Thomen wird im zweiten Teil zu „La Valse“ tanzen – in ihrer eigenen Choreografie. Es wird der Totentanz, also der Erste Weltkrieg, getanzt vor dem Hintergrund surreal verfremdeter Bilder aus diesem Krieg, während im ersten Teil die Imagination von Theben getanzt wird. Theben – ein besonderer Ort? Für Else Lasker-Schüler war Theben der Ort, wo alle politischen, kulturellen und religiösen Konflikte aufgehoben sind: das Reich der Poesie. Die gemalten Postkarten „Prinz Yussuf mit Theben” und „Tierschicksale“, die Lasker-Schüler und Marc einander sandten, werden im Videobühnenbild zu sehen sein. Als Französin, die im Grenzgebiet in Elsass-Lothringen aufgewachsen ist – in Metz, spricht Léa Thomen deutsch und französisch. Inwiefern spielt diese Tatsache eine Rolle für ihren Part als Sängerin? Im Stück wird „Stille Nacht, heilige Nacht“ in den Kriegsgräben gesungen – in Deutsch und in Französisch. Thomen ist auch Musikerin, singt sehr gut, und es passt sehr gut, dass sie in ihrer eigenen Sprache singen kann. Und es gibt ein wundervolles Lied von Madeleine Peyroux, ein Blues, den singt Léa Thomen an der Stelle, wo wir im Stück nicht nur des Franz Marc gedenken, sondern aller Künstler, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Dazu erklingt der Blues als afrikanisch inspirierter Totenklang im Wuppertaler Opernhaus – am Vorabend des 147. Geburtstages von Else Lasker-Schüler. Das Gespräch führte Dagmar Tigges ❚ DER BLAUE REITER IST GEFALLEN. Oder: Europa am Abgrund Opernhaus Wuppertal, Kurt-Drees-Str. 4; Termin: 10.2., 19.30 Uhr; Preis: 15/10 € erm.; Tickets (0202) 5637666; www.kulturkarte-wuppertal.de, www.wuppertal-live.de präsentiert Cirque Bouffon - Das erste Mal im Ruhrgebiet 1.–26. Juni 2016 Gelsenkirchen - Kennedyplatz Tickets: Musiktheater im Revier, webshop.musiktheater-im-revier.de oder www.cirque-bouffon.com 02.2016 | HEINZ | 61

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