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HEINZ Magazin Wuppertal 01-2016

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HEINZ Magazin Januar 2016, Ausgabe für Wuppertal, Solingen, Remscheid

Ästhetischer Dreiklang

Ästhetischer Dreiklang Virulenter Stoff Seit Jahrhunderten fesselt das Märchen „Die Schöne und das Biest – La Belle et la Bête“ die Generationen. Jetzt ist die Liebes- und Freundschaftsgeschichte in drei unterschiedlichen Inszenierungen im Teo Otto Theater zu erleben: als Musical, als Bühnenstück und als Ballett. HEINZ sprach mit Dr. Christian Henkelmann, Kulturdezernent der Stadt Remscheid und künstlerischer Leiter des Teo Otto Theaters. Nadine Kühn spielt die Titelheldin im Musical Malandain Ballet Biarritz (© Olivier Houeix) HEINZ: Herr Dr. Henkelmann, was reizt Sie persönlich an dem Stoff? Dr. Christian Henkelmann: Die Schöne und das Biest, das Märchen um die schöne Belle und den gefühlskalten Prinzen, der von einer Fee in ein unansehnliches Biest verwandelt wurde und nur durch die Liebe eines Menschen zurückverwandelt werden kann, verspricht ein unvergessliches Erlebnis für alle, die sich von der Magie einer der romantischsten Liebes- und Freundschaftsgeschichten überhaupt betören lassen möchten. Mich persönlich reizt die Vielschichtigkeit des Stoffes, der als traditionelles Volksmärchen bereits um 1550 in Frankreich zirkulierte, uns in seiner Grundmotivik bereits im 2. Jh. in Apuleius‘ Erzählung von Amor und Psyche begegnet: Wie kommen Schönheit und Hässlichkeit, im weiteren Sinne Geist und Körper, miteinander aus? Gibt es den „Froschkönig“, der die Schönste erobert? Welche Rolle spielen neidische Schwestern für die hübscheste Tochter der Familie? Drängen sie die Hübsche in eine Opferrolle, machen sie aus der Schönen ein „Aschenputtel“? Ist ein Vater zur Rettung seines eigenen Lebens, auch zur Bewahrung seiner Ehre, bereit, seine Tochter einem Dämon, einem Monster, einem Ungeheuer zu überlassen? Gelingt einem ungleichen Paar eine Beziehungsgeschichte mit Happy End? Entscheidet tatsächlich das Innere als wahre Schönheit über die Partnerwahl? Können Mitleid oder Freundschaft Liebe bewirken oder gar erzwingen? Auf all diese Fragen lassen sich in dieser bezaubernden Liebesund Freundschaftsgeschichte Antworten finden. 60 | HEINZ | 01.2016

« Das Theaterstück des Hessischen Landestheaters Marburg inszeniert Max Merker als Gastspiel im Teo Otto Theater mit Lene Dax als Belle (© Merit Engelke). In der Regie von Nadine Kühn, die gleichzeitig die weibliche Hauptrolle spielt, ist „Die Schöne und das Biest“ als Familienmusical zu erleben. Die musikalische Leitung übernimmt Stefan Wurz. In seinem neuesten Ballettstück wird der französische Starchoreograf Thierry Malandain mit einer eigenen Interpretation für „Die Schöne und das Biest“ aufwarten. Schönheit und Hässlichkeit, im erweiterten Sinn Geist und Körper werden zum tanzphilosophischen Thema. Warum haben Sie für diese Spielzeit gerade diesen Stoff als beherrschendes spartenübergreifendes Thema in Musical, Jungem Theater und Ballett gewählt? Es gibt Stoffe, die sind einfach gerade virulent, die beschäftigen die Menschen in einer bestimmten Zeit ganz besonders. Dieses französische Volksmärchen ist so reich an Wahrheiten und Wendungen, dass es wieder und wieder verfilmt wurde (zuletzt von Christophe Gans 2014) und auch als Oper (Philip Glass 1994), als Broadway-Musical (Linda Woolverton 1994), als Theaterstück (Lucy Kirkwood/Katie Mitchell 2010) oder auch als Super-Nintendo-Spiel (1993) inszeniert wurde. Wodurch unterscheiden sich die drei Adaptionen, die im Teo Otto Theater zu sehen sind? In dem Familienmusical am 27. Dezember 2015 ist der gegenüber einer Bettlerin hartherzig auftretende Prinz André als Strafe für sein Verhalten in ein Biest verwandelt und mit ihm alle Schlossbewohner. Wird das Biest noch rechtzeitig auf sein Herz hören und von dem Zauberfluch erlöst werden? Auch in Lucy Kirkwoods und Katie Mitchells Märchenbearbeitung als Bühnenstück am 19. Januar 2016, die sie für das National Theatre in London entwickelten, geht es darum, dass ein hässliches Ungeheuer das Herz einer Frau gewinnen möchte und dass es darauf ankommt, mit dem Herzen sehen zu lernen. Doch hier wird die Geschichte von einem ziemlich eigenwilligen und dickköpfigen Moderatoren-Duo präsentiert. Der zauberhafte Mister Pink und seine charmante französische Assistentin Cécile sind sich nicht immer einig – wodurch das erhoffte Happy End zwischen der Schönen und dem Biest zusätzlich in Gefahr zu geraten droht. Der französische Starchoreograf Thierry Malandain, der Gründer des Balletts aus Biarritz, lässt seine 22 Tänzerinnen und Tänzer am 23. Januar 2016 ein magisches Handlungsballett tanzen, in dem Mensch und Tanz als Körper und Seele verschmelzen, aber auch christliche Werte kritisch hinterfragt werden. Der Charakter, die Darstellung, die Schwerpunkte der Inszenierungen sind so verschieden – Gesang, Sprache, Tanz –, dass nur die Grundidee als Ausgangsmotiv dieselbe ist: Wie kann Gesang, Sprechen, Tanzen das Herz zur Liebe öffnen, auch wenn zunächst nichts dafür spricht. Drei Genres, drei Inszenierungen: Was können sich die Zuschauer von einem Besuch aller drei Vorstellungen versprechen? Der ästhetische Genuss des Musicals am 27.12.2015 liegt in seinen jungen unverbrauchten Stimmen, in einem aufwendigen Bühnenbild, tollen Kostümen und magischen Effekten. Der Genuss des Theaterstücks am 19.1.2016 liegt darin, dass keine Fassung dieses Märchenstoffes so originell und lustig ist wie diese Theateradaption für begeisterte Zuschauer aller Altersstufen. Und zum Malandain Ballet Biarritz am 23.1.2016 kann ich nur sagen: Thierry Malandain ist der derzeit beste Schöpfer von Handlungsballetten. Seine Choreografie von „Cendrillon“, einer französischen Fassung des Aschenputtels, verzeichnete allein an einem Abend im Pariser Théatre Dr. Christian Henkelmann de Chaillot 4.000 Zuschauer. Mehr brauche ich nicht zu sagen. Alle drei Veranstaltungen sind sehr familientauglich. Die Jugendtickets kosten jeweils nur fünf Euro. Das ist ein sensationeller Preis für solche hochklassigen Theaterangebote. Das Gespräch führte Dagmar Tigges NICO HERTGEN ❚ DIE SCHÖNE UND DAS BIEST – La Belle et la Bête in drei Inszenierungen im Teo Otto Theater, Konrad-Adenauer- Straße 31-33, 42853 Remscheid, Tickethotline (02191) 162650; www.teo-otto-theater.de Familienmusical: 27.12.2015, 16 Uhr; Preise: ab 23 €; Jugendticket 5 € Theaterstück (ab 5 Jahren): 19.1.2016, 17 Uhr; Preise: 10 €; Jugendticket 5 € Malandain Ballet Biarritz: 23.1.2016, 19.30 Uhr; Preise: ab 26 €, Jugendticket 5 € Das perfekte Weihnachtsgeschenk: Tickets voller Poesie, Magie, Rhythmus und Leidenschaft. Jetzt Freude schenken! präsentiert Cirque Bouffon - Das erste Mal im Ruhrgebiet 1.–26. Juni 2016 Gelsenkirchen - Kennedyplatz Tickets: Musiktheater im Revier, webshop.musiktheater-im-revier.de oder www.cirque-bouffon.com

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