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HEINZ Magazin Oberhausen 12-2016

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HEINZ Magazin Februar 2016, Ausgabe für Duisburg, Oberhausen, Mülheim

KONZERTE TIPP DES MONATS

KONZERTE TIPP DES MONATS Luftige, positive Beats HEINZ präsentiert Namika 2015 war das Jahr für die 24-jährige Hanan Hamdi: Mit einer Ode an ihre liebsten Menschen hat sie nicht nur die Charts, nein, auch die Herzen der Musikliebhaber bundesweit erobern können. Nun begibt sich die marokkanisch-deutsche Sängerin und Rapperin auf große Deutschlandreise, um ihr aktuelles Album „Nador“ vorzustellen. Dabei kommt sie auch in den Sektor. Am 29.2. singt sie im FZW in Dortmund. F rüher zeichnete man auf Reisen, um sich erinnern zu können, wo man war. Heute filmt man auf Reisen, um zu erfahren, wo man gewesen ist“, schrieb der französische Philosoph Albert Camus (1913-1960) einst nieder. Die junge Sängerin Namika filmte weder noch zeichnete sie, stattdessen schrieb sie auf ihren Reisen in die Heimat ihrer Großeltern wunderbare Lieder, die nun auf dem Debütalbum „Nador“ veröffentlicht sind. 14 Lieder, die sich der Schönheit der Menschen und des Lebens widmen. Ergreifende Songs, die die Auseinandersetzung mit der eigenen Heimat, in der sich Namika wohlfühlt, wagen. Gleichzeitig sind es Lieder, mit der sie die Vergangenheit ihrer eigenen Vorfahren entdecken möchte. Dabei wandert ihr Blick stets zwischen modernem Stadtleben und dem immerwährenden Fokus über den Tellerrand in die Weiten dieses Planeten. Trotz der Leichtigkeit dieser 14 Songs spürt man eine unglaubliche Tiefe zwischen den Zeilen. Manche Verse klingen geradezu abgeklärt und sehr erwachsen. Dabei ist Hanan Hamdi erst 24 Jahre alt. Woraus bezieht sie diese Reife? Woher kommt dieser Tiefgang? Vielleicht muss man ihr folgen, wenn sie sich auf die Spuren ihrer Herkunft bzw. ihrer Großeltern begibt. Diese verließen vor vier Jahrzehnten die Küstenstadt Nador im Nordosten Marokkos, um in Deutschland als Gastarbeiter ein besseres Leben zu führen. Mit ihren Eltern flog Hanan als Kind immer wieder nach Nador. Dort spielte sie nach eigenem Bekunden gerne mit den Nachbarskindern, die auf nationale und regionale Unterschiede zunächst nicht eingingen und unvoreingenommen mit Hanan Spaß hatten. Doch je älter sie wurde, desto mehr musste sie feststellen, dass die Wahrnehmung der Einheimischen ihr gegenüber sich veränderte. Plötzlich war sie die Deutsche! Und in Deutschland wurde sie zur Deutschen mit marokkanischen Wurzeln oder einfach nur zur Marokkanerin. Dieser innere, kräftezehrende Konflikt, den man aus den verschiedensten Familien mit Migrationshintergrund kennt, führte letztlich zur intensiven Auseinandersetzung mit der Heimatstadt ihrer Großeltern sowie mit ihrer eigenen Identität – und schlussendlich auch zu einem eindrucksvollen Debütalbum. 24 | HEINZ | 02.2016

HANNES CASPAR Mit Wurzeln in der modernen Küstenstadt Nador und ihrer Heimat Frankfurt am Main begreift sich Hanan als Kulturhybrid mit entsprechendem Zeitgeist, in dessen Brust zwei Herzen gleichgetaktet schlagen. Und plötzlich ist die 24-jährige Sängerin aus Frankfurt überall gefragt, ist in ganz Deutschland viel unterwegs, tourt von Radiostation zu Radiostation, von einem Fernsehtermin zum nächsten, um ihr Debütalbum „Nador“ vorzustellen. Knapp zwei Jahre feilte und bastelte sie mit dem Berliner Produzententeam Beatgees daran. Und das Ergebnis kann sich hören lassen, ist doch ein veritabler Mix aus HipHop, R’n’B und Pop entstanden, der mit etwas Abstand an die großen Alben von Freundeskreis und Max Herre erinnert. Zuvor trieb sie noch in der Main-Metropole als Hän Violett ihr Rap- „Unwesen”. Bereits nach ihrem ersten Mixtape „Flow zum Gesang“ (2013), das die attraktive junge Frau mit den Rehaugen und der Samtstimme selbst bei sich im Zimmer produzierte, bekam sie beim Label Jive Germany (Sony Music) einen Vertrag. Ihre Leistungen wurden gewürdigt. Im letzten Sommer stieg ihr Debütalbum auf Platz 13 der deutschen Albumcharts ein. Ihr Künstlername Namika ist arabisch und bedeutet auf Deutsch „die Schreiberin“. Dass sie schreiben kann, hat sie gleich mit ihrer ersten Single-Auskopplung „Lieblingsmensch“ bewiesen. Eine Liebeserklärung an einen oder mehrere Menschen, auf den oder die man sich stets verlassen kann – in Kombination mit luftigen und positiven Beats. Dieser Sommerhit schaffte es auf Anhieb auf Platz 27 der deutschen Singlecharts und konnte sich durch starkes Airplay bis in Woche acht auf Rang eins verbessern. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass niemand Hanan bzw. Namika auf dem Schirm hatte. Für „Lieblingsmensch“ gab es zudem Gold und dann auch Platin für mehr als 400.000 verkaufte Tonträger des Tracks. Zweifelsohne hat es Namika geschafft und ist aktuell nicht aufzuhalten. Mit dem Song „Hellwach“ nahm sie 2015 für Hessen am Bundesvision Song Contest teil und landete prompt auf Platz 7! Für die 1Live Krone war sie gleich zweimal nominiert: für die „Beste Single“ und als „Beste Künstlerin“. Jedoch gingen die Kronen letztlich an andere Künstlerinnen und Künstler. Und dennoch hat die Nominierung die junge Sängerin als Newcomerin geadelt, wurde sie doch mit so großen Namen wie Sido, Andreas Bourani und Lena nominiert. Zudem bot es für sie eine weitere Chance, den einen oder anderen musikalischen Lieblingsmenschen für sich gewinnen zu können. Mit ihren aufrichtigen Liedern und ihrer authentischen Musik nimmt sie ihre Hörerinnen und Hörer spielend leicht für sich ein. Und wie klingen ihre Lieder? Darin kommt die Stille ebenso zum Tragen wie der laute Bass, wird das bunte Nachtleben ebenso beleuchtet wie die Geschichten des Alltags. Ihre Liebe zur Vielfalt schlägt sich auch in ihren Liedern nieder, die aus einer zeitgeistigen Melange verschiedenster Genres entstanden sind. Direkte und ehrliche Texte gehen eine verträumte Liaison ein mit Urban Dancefloor, HipHop und orientalischen Klängen. Dass sie auch sozialkritisch zu hinterfragen weiß, beweist Namika unter anderem mit dem Song „Wenn sie kommen“, in dem sie die Geschichte eines marokkanischen Straßenjungen erzählt, der sich durchschlagen muss. Wie geht es weiter? Nach ihrer ersten erfolgreichen und komplett ausverkauften Tour im Herbst letzten Jahres sind bereits die ersten Shows der „Lieblingsmensch-Tour“ im Frühjahr 2016 ausverkauft. Sven Linnert ❚ NAMIKA FZW, Ritterstr. 20, Dortmund; Termin: 29.2., 20 Uhr; Preis: 24 € (VVK); Verlosung: 3x2 Karten unter www.heinz-magazin.de 02.2016 | HEINZ | 25

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