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HEINZ Magazin Essen 06-2016

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HEINZ Magazin Juni 2016, Ausgabe für Essen

STADTPLAN STORY TRUCK

STADTPLAN STORY TRUCK TRACKS AM SONNTAG (11.10.15) IN BOCHUM. (FOTO: VOLKER HARTMANN, URBANE KÜNSTE RUHR) Neue Blicke auf den Pott Mit einem Truck durchs Ruhrgebiet Mit „Truck Tracks Ruhr“ lädt das Künstlerkollektiv Rimini Protokoll in Produktion der Urbanen Künste Ruhr zu Stadtrundfahrten der besonderen Art ein. Mit dem zum Zuschauerraum umgebauten Lastwagen geht es in sieben Städten auf große Fahrt, bei der (un)typische Orte in Szene gesetzt werden und damit außergewöhnliche Perspektiven offenbaren: ein ebenso unterhaltsamer wie tiefsinniger Trip. I n gespannter Ausflugsatmosphäre heißt es Platz nehmen auf den vier ansteigenden Sitzreihen vor der verglasten Seitenfront. Diese wird im Laufe der Fahrt durch Oberhausen (hier entsteht das Album #1) immer wieder durch drei Rollos zur Leinwand. Zunächst geschlossen beginnt die rund 100-minütige Exkursion, die haltmacht an sieben augenscheinlich unspektakulären Stationen. Von verschiedenen Künstlern gestaltete Hörcollagen kommentieren, konterkarieren und konfrontieren das gerade Zu-Sehende mit unerwarteten Sichtweisen. Noch wird die Ansage („Sie sind in einer Theatervorstellung, bitte Ruhe!“) geflissentlich ignoriert, ist man doch zu sehr damit beschäftigt, sich in diese ungewöhnliche Situation einzufinden und zu überlegen, ob die gerade projizierten Straßenzüge synchron abgefilmt werden oder eben nicht. Werden sie nicht. Aber diese erste Irritation weist bereits darauf hin, was einen großen Anteil dieses Erlebnisses ausmachen wird. Was sehe ich? Was ist real? Was bestimmt meine Wahrnehmung? Wenn beim ersten Stopp an einer unbelebten Halde die eingespielte Stimme einer Studentin über materiellen (Un-)Wert reflektiert und dabei vom Tod ihrer Mutter berichtet, entsteht beim kollektiven Betrachten der riesigen Schlackehalden eine ganz eigentümliche Atmosphäre. Die hallt nach, wenn es weitergeht zur nächsten Station, einem asiatischen Gourmettempel mit dem Schriftzug „China City“. Ein gefakter Radiobeitrag des lokalen Senders informiert über das Handelsabkommen zwischen China und Oberhausen und bringt authentisch anmutende O-Töne aus der Bevölkerung. Die Kommentare („Finde ich gut. Ich habe in China gearbeitet. Also im China-Restaurant.“) bewirken eine absurde Situation, die von den Leuten vor Ort prompt verstärkt wird. Angesichts des gaffenden Lasters wird verwundert geschaut, gewunken, stoisch weitergegangen. Überhaupt stellt sich oft die Frage nach der gegenseitigen Wahrnehmung von Passanten und der Truckbesatzung – wer betrachtet wen, wobei und warum? Das Gefühl von mittendrin gewinnt an Distanz, wird zu einem verlegenen Voyeurismus – ein beeindruckender Effekt, der sich in den unterwegs via Projektionen eingestreuten „Blicken“ von Menschen in verschiedensten Arbeitsumfeldern fortsetzt. Für Minuten schauen der Boxer, die Mechanikerin, der Fleischer und viele mehr in die Kamera und stellen unausweichlichen (Augen-)Kontakt her. Beim Halt am CentrO-Eingang, einstmals der Werkeinlass zur Oberhausener Gutehoffnunghütte erinnert sich ein eingespielter Politaktivist an seine wilden Zeiten in den Siebzigerjahren. Zeitgleich bewegt sich ein buntes Panoptikum konsumorientierter Gestalten, die – völlig uninszeniert – vor dem ehemaligen Tor zur Arbeit eigene Geschichten offenbaren. Auch an den weiteren Punkten verleihen die jeweiligen Audio-Performances dem Gesehenen neue Dimensionen – etwa dem Blick in das Fitnessstudio, zu dem ein Arbeiter seine Gedanken zur Körperlichkeit von Arbeit respektive Training beschreibt. „Das Ruhrgebiet ist der beste nichtgedrehte Film, in den ich je eingetaucht bin“, sagt Stefan Kaegi, Kurator und Gründungsmitglied von Rimini Protokoll. Man möchte hinzufügen, dass auf den Fahrten mit den „Truck Tracks Ruhr“ sicher noch so manche persönliche, mit dieser speziellen Reiseerfahrung angeregte Impulse zu einem ganz individuellen Drehbuch werden. Man darf gespannt sein auf die weiteren Szenen in den noch folgenden Städtealben. Kerstin Turley ❚ TRUCK TRACKS RUHR Rimini Protokoll / Produktion Urbane Künste Ruhr; Album #2 Recklinghausen (1.- 18.6.); Album #3 Duisburg (12.8.-24.9.); Album #4 Dortmund (6.-29.10.); Album #5 Mülheim (30.11.-17.12.); Album #6 Bochum (25.1.-25.2.2017); Album #7 Essen (März 2017); Preise: 15/8 €; www.trucktracksruhr.de 16 | HEINZ | 06.2016

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