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HEINZ MAGAZIN DORTMUND 06-2017

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HEINZ Magazin Juni 2017, Ausgabe für Dortmund

„Guilty Landscapes“

„Guilty Landscapes“ © Kevin McElvaney „Sorry“ © Florian Krauss „Lowdon“ © Jacob Marshall „Hamlet“ © Donata Ettlin „Rabtaldirndln“ © Rania Moslam „Monologe“ © Knut Klaßen Entscheider gefragt Theater als gesellschaftliches Labor „Decide or else – Entscheid oder stirb”, unter diesem Motto findet vom 22.6.-1.7. in Mülheim an der Ruhr, Düsseldorf und Köln das Impulse Theater Festival statt. Künstlerischer Leiter ist Florian Malzacher. Das Festival für die wichtigsten freien Theaterproduktionen aus dem deutschsprachigen Raum beginnt am Schauspiel Köln mit Boris Nikitins „Hamlet”-Inszenierung. 60 | HEINZ | 06.2017

S ich zu entscheiden, das ist eine politische und zugleich eine zutiefst persönliche Sache. Das lateinische Wort decisio verweist auf den Schnitt, der ein Zurück unmöglich macht. So wirft das Impulse Theater Festival als Erstes einen Blick auf den wohl berühmtesten (Nicht-)Entscheider der Theatergeschichte: Für den „Hamlet” des Schweizer Theatermachers Boris Nikitin ist Sein oder Nicht-Sein, Zaudern oder Handeln keine Frage der Entscheidung mehr, sondern eine Spannung, die ausgehalten werden muss (Schauspiel Köln, Depot 2, 22./23.6.). Die Hamlet-Figur, die Nikitin entwirft, ist nicht Shakespeares Dänenprinz, gleichwohl stellt sie einen Hamlet-Prototyp der heutigen Zeit dar. Die Verhandlung von Krankheit, Tod, Depression, vom Andersseinwollen und -müssen verspricht, unter die Haut zu gehen. Dabei begibt sich der Performer und Musiker Julian Meding – begleitet von Kölner BarockmusikerInnen – auf einen darstellerischen Parforceritt. Die studiobühneköln bildet nicht nur eine Hauptspielstätte, sondern ist auch Festivalzentrum. Richard Lowdon, Gründungsmitglied, Performer und Bühnenbildner der legendären Truppe Forced Entertainment aus Sheffield, verwandelt die Probebühne der studiobühneköln „in einen aus der Zeit gefallenen Pub”. So entsteht eine „theatrale Installation des Miteinanders, in der Gäste und KünstlerInnen allabendlich zusammenfinden” können. Die „Slideshow” im Festivalzentrum zeigt ein breites Programm zwischen Party, Konzertreihe, Diskursen und Bar- Performance. Mit Dries Verhoevens „Guilty Landscapes” (23.6.-1.7.), „Du gingst fort” von den Rabtaldirndlen (23./24.6.),„Who cares?!” von Swoosh Lieu (27./28.6.) und drei Monologen von She She Pop, internil und Gintersdorfer/Klaßen (30.6., 1.7.) sind an diesem Spielort zahlreiche herausragende Produktionen freien Theaters zu erleben. Weltpremiere feiert der Film „Germany 2017” des New Yorker Nature Theater of Oklahoma im Großen Sendesaal des WDR (25.6.). Das gleichnamige Hörspiel – eine Koproduktion mit dem WDR – wird schon am Festivalvorabend urgesendet. Es soll den Auftakt einer Reihe von Radiohörspielen bilden, die den Äther als weitere Impulse-Bühne bespielen. Im Theorieprogramm wird die Impulse-Konferenz zum Thema „Entscheidungen in Gesellschaft, Politik und Kunst” flankiert von Gespächen, Arbeitstreffen und Workshops sowie Livekritik und Einführungen. Die Politikphilosophin Chantal Mouffe wird ebenso auf der studiobühneköln zu Gast sein wie Antanas Mockus, der Ex-Bürgermeister von Bogotá, dessen Arbeit und Glaube an die Kraft einer aktiven Zivilgesellschaft noch immer bewegend und motivierend sind (1.7.). Humorvoll und durchdacht untersucht die britische Gruppe Stan’s Café im Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim (24.-29.6.) mit ihrer raumgreifenden, theatralen, aus Reiskornhügeln bestehenden Installation „Of All The People In All The World”, auf welchen Grundlagen menschliche Entscheidungen beruhen. Da sprechen Statistiken für sich selbst. Hügel neben Hügel repräsentiert jedes Korn einen Menschen – eine Landschaft, die die Welt bedeutet. Das Projekt ist inhaltlich eng verbunden mit der vor zwei Jahren initiierten Silent University Ruhr in Mülheim, die in diesem Jahr fortgesetzt werden soll – eine autonome Wissensplattform, deren Lehrende geflüchtete AkademikerInnen sind. In Düsseldorf nimmt „Delicate Instruments Of Engagement” als fortwährende performative Aktion und lebendige Ausstellung rund dreißig Jahre nach Joseph Beuys’ Tod ihren Ausgang im Erbe der Stadt als historischem Ort der Grenzüberschreitung von Kunst und Politik. Gemeinsam mit fünf PerformerInnen entfaltet die Choreografin Alexandra Pirici eine Landschaft aus Gesten, Bildern und Momenten und mischt in den Räumen der Kunsthalle sowie des Kunstvereins ikonische und weniger bekannte Bilder und Ereignisse, popkulturelle und politische Gesten – Ceauşescus Hinrichtung, Pussy Riots „Punk-Gebet” in Moskau, Joseph Beuys’ japanische Whisky-Werbung, die ihm half, seine „7000 Eichen” für die documenta zu finanzieren (24./25.6., 29.6.-1.7.). Rund 190 Veranstaltungen sind in Köln, Mülheim an der Ruhr und Düsseldorf geplant. Dabei gilt es für die BesucherInnen selbst auch, sich zu entscheiden. Hingehen oder Nicht-Hingehen? 15 Produktionen im Hauptprogramm sowie 16 Zusatzprogramme laden dazu ein, eine Auswahl zwischen den durchweg hochkarätigen Beiträgen zu treffen. dt ❚ IMPULSE Theater Festival verschiedene Spielorte in Köln, Mülheim an der Ruhr, Düsseldorf; Termine: 22.6.-1.7.; Preise: 15/7 € erm., Tickethotline (0221) 22128400; www.festivalimpulse.de Das neue Programmheft 2/2017 www.vhs.dortmund.de Vielfalt erleben Die VHS Dortmund startet mit über 1.745 Veranstaltungen in das zweite Halbjahr 2017. Jetzt anmelden! programm 2017 halbjahr 02 Besuchen Sie einen der schönsten Biergärten der Innenstadt Montag – Sonntag ab 11 Uhr geöffnet

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