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HEINZ MAGAZIN DORTMUND 04-2017

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HEINZ Magazin April 2017, Ausgabe für Dortmund

Lucas Cranach der

Lucas Cranach der Ältere Düsseldorfer Schau Er gilt als einer der bedeutendsten Maler der Deutschen Renaissance: Lucas Cranach (1472- 1553). Und er war einer der ersten Kunst-Unternehmer der alten Welt. Sich mit seiner Malerei an die neue Zeit anzupassen, das war ihm vorbildlich gelungen. Im Reformationsjahr 2017 zeigt das museum kunstpalast eine Werkschau des Malers. Rund 200 Exponate beleuchten ab 8. April die Wirkung seiner Kunst bis heute. Judith mit dem Haupt des Holofernes, um 1530, The Metropolitan Museum of Art, Rogers Fund, 1911 / Foto: bpk | The Metropolitan Museum of Art (oben links) Die drei Grazien, 1535, The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, Missouri / Foto: The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, Missouri / Mel McLean (unten links) Maria mit dem Kinde, 1518, Wallraf-Richatz-Museum & Fondation Corboud, Köln / Foto: Gunnar Heydenreich, cda (unten rechts)

S chöne Frauen und mächtige Männer, Eremiten und ihre tierischen Begleiter, Heilige und Sünderinnen, geistreiche Gelehrte und mythische Gestalten, wundervolle Farben, zarte Haut und schimmerndes Geschmeide: Die Malerei von Lucas Cranach d.Ä. (1472- 1553), der nicht nur als Porträtmaler hochangesehen war, sondern auch als Grafiker und Buchdrucker, als ein politischer Mensch und erfolgreicher Geschäftsmann, ist in einem weiten künstlerischen wie historischen Kontext zu verorten. Ein großer Bogen spannt sich von den Meistern der Spätgotik und frühen Renaissance nördlich der Alpen bis zu den großen Künstlern seiner eigenen Epoche, die wie er auch mit sakralen und profanen Bildern brillierten. Es war eine Zeit des Wandels. Die alten Weltbilder waren brüchig geworden, seit im 16. Jahrhundert technische Neuerungen wie das Plattendruckverfahren, geografische und wissenschaftliche Neuentdeckungen, Kolumbus’ Eroberung der Neuen Welt, Kopernikus’ Erkenntnis, dass die Erde sich um die Sonne dreht und die von Luther angestoßene Reformation das bisherige Denken auf den Kopf stellten. Humanismus und Reformation, ebenso wie der zunehmende Kulturtransfer ließen bald neue Themen in den Bildkanon gelangen. Im Zuge der frühen Globalisierung der Handelsbeziehungen und -routen (und mit Hilfe der Druckerpresse) reisten inzwischen nicht nur Waren, sondern auch Ideen und Bilder um den Globus. Zudem hatten sich mit Beginn des 16. Jahrhunderts die politischen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse verschoben. Geltung und Einfluss von Kaiser und Kirche schwanden allmählich. Das sich etablierende Bürgertum wurde selbstbewusster und mischte nun auch in der Kultur mit, wurde Förderer und Auftraggeber, Sammler und Liebhaber. Angekündigt ist die Düsseldorfer Schau zwar als eines der Ausstellungs-Highlights im religiösen Feierjahr 2017, eigentlich aber ist der Bezug zu Luther und zur Reformation – erfreulicherweise – gar nicht so wichtig, denn der vorzüglichen Ausstellung geht es mit ihren rund 200 Exponaten vor allen Dingen darum, endlich einmal wieder den ganzen Cranach in den Blick zu nehmen. Und darüber hinaus die Wirkung seiner Kunst bis heute zu zeigen. Über Cranachs frühe Jahre ist wenig bekannt, vermutlich erhielt er seine Ausbildung beim Vater und nahm den Namen seiner Geburtsstadt Kronach an, bevor er auf Wanderschaft ging und es ihn nach Wien verschlug. Er blieb, bis er 1505 vom sächsischen Kurfürst Friedrich III. (dem Weisen) als Hofmaler nach Wittenberg berufen wurde, wo er sein Amt fast 50 Jahre lang ausführen sollte. Seine Aufgaben waren vielfältig und wuchsen mit zunehmender Zufriedenheit seiner Brötchengeber: Er war nicht nur Hofmaler und Leiter der Druckwerkstatt, sondern war ebenso zuständig für „Entwurf und Ausführung von Dekorationsarbeiten, die Beaufsichtigung von Handwerkern, die Ausschmückung von Hochzeiten, Turnieren und anderen Hoffesten“. Neben wunderbaren allegorischen Gemälden und zahlreichen Altarwerken, waren es aber vor allem Porträts seiner Dienstherren und deren Entourage, ebenso wie mythologisch verbrämte Aktdarstellungen, die ihn bekannt machten. Und auch die gut betuchten Bürger nebst ihrer Gattinnen tauchen nun in großer Zahl in den Bildern auf. Kurzum, Cranachs Werkstatt blühte und die Bildproduktion zog immer weiter an. Die Venus aus der Eremitage in St. Petersburg, die endlich wieder vereinten Tafeln des Prager Altars, zahllose Bildnisse, Zeichnungen und Drucke in der Düsseldorfer Ausstellung gewähren einen umfassenden Einblick in jene sich ausdehnende Kunst- Praxis: eine exquisite altmeisterliche Feinmalerei, brillante Farben und gewagte Figurationen. Aber wer heute an Luther denkt, hat mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls ein Bild von Lukas Cranach d.Ä. vor dem inneren Auge, hat doch der Maler unzählige Porträtbilder des deutschen Reformators geschaffen. So gehen Verbreitung und Tradierung des Lutherbildes in erster Linie auf die Cranach-Werkstatt zurück, die fast wie eine PR-Agentur Cranachs Lutherbild im kollektiven Bildgedächtnis verankern konnte. Nach dem frühen Tod des Bruders 1537 war es Lukas d.J., der die Wittenberger Cranach-Werkstatt übernahm und das fortführte, was sein Vater als moderner Malerunternehmer so erfolgreich begonnen und zur Meisterschaft gebracht hatte. kb ❚ CRANACH. Meister – Marke – Moderne museum kunstpalast, Ehrenhof 4-5, Düsseldorf; Dauer: 8.4.- 30.7., Di-So 11-18, Do/Sa 11-21 Uhr; www.smkp.de Speisen, Getränke, Genuss. HÖVELS Hausbrauerei Hoher Wall 5-7 · 44137 Dortmund hoevels-hausbrauerei.de am Markt www.wenkers.de

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