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HEINZ MAGAZIN DORTMUND 04-2017

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HEINZ Magazin April 2017, Ausgabe für Dortmund

KINO TIPP DES MONATS

KINO TIPP DES MONATS Schluss – und aus? Kraftloses Finale Fünf Jahre hat er seine Fans warten lassen, und nun kündigt er seinen neuen Film mit dem Abschied vom Filmemachen an. Wenn Aki Kaurismäki bei seiner Ankündigung bleibt, so ist „Die andere Seite der Hoffnung“ das Vermächtnis eines der bedeutendsten zeitgenössischen Filmemacher Europas und gleichzeitig ein Appell an die Mitmenschlichkeit in Zeiten, die für seine Helden von ganz unten düsterer werden. D ie Welt des Aki Kaurismäki scheint aus der Zeit gefallen. Sie ist stehen geblieben, lange bevor er begann, Filme zu machen. Die Technicolor-Farben, die spartanische Einrichtung, die Musik und die amerikanischen Straßenkreuzer – alles verweist auf Kaurismäkis Kindheit in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren. Diese nachinszenierten Tableaus sind stilbildendes Element seiner melancholischen Geschichten zwischen Groteske und Tragikomödie. So beginnt auch der letzte Film des Meisters der lakonischen Romantik: Der Kaktus auf dem Tisch sagt noch mehr als der Ehering, den Wikström der Gattin in den Aschenbecher wirft, um dann die Koffer zu nehmen und zu gehen. © SPUTNIK OY, FOTO: MALLA HUKKANEN Auch Khaled hat sein altes Leben in Syrien hinter sich gelassen. Er wird quasi aus der Kohleladung eines Frachters in Helsinki geboren. Rußgeschwärzt fragt er sich zur Dusche durch und meldet sich dann auf der Polizeistation, um Asyl zu beantragen. Und auch dort scheint die Gegenwart Jahrzehnte entfernt: Man schreibt noch auf der Reiseschreibmaschine Protokoll, und Fotos werden analog geknipst. Es ist so eine minimalistische Geschichte, wie man sie von Kaurismäki kennt. Wikström geht in eine Kaschemme, wo man im Hinterzimmer Poker spielt und fordert das Schicksal heraus. Mit dem Gewinn will sich der Vertreter für Herrenbekleidung eine neue Existenz schaffen. So überraschend dies gelingt, so heikel ist das Investitionsobjekt: Das Restaurant „Zum goldenen Krug“ zeigt wieder jenen „shabby shick“ der 1960er-Jahre. Wenn hier die Ölsardine noch in der Dose auf den Teller kommt, dann ist das ebenso bezeichnend wie absurd komisch. Wikströms Geschäftskonzept beruht auf dem unerschütterlichen Glauben: „Die Menschen trinken in schlechten Zeiten, und in guten erst recht.“ Irgendwann führt das Schicksal die beiden Protagonisten zusammen, Wikström bietet dem illegalen Flüchtling Khaled sein privates Asyl an. Bis Khaled seine auf der Flucht verlorene Schwester und Wikström seine Frau wiedersieht, spielt das Leben ihnen absurde Streiche. Und wenn ein Finnen-Nazi den Flüchtling im Namen der Freiheit niedersticht und zu dem Muslim sagt „Du Jude!“, dann ist das bitterer Witz zu traurigen Zeiten. Aber wenn am Ende der unerschütterliche Fatalismus der Kaurismäki-Männer vorsichtigem Optimismus weicht: Kaurismäkis Finale wirkt kraftlos und müde – kein schlechter Zeitpunkt zum Aufhören. pk ❚ DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG (Toivon tuolla puolen) FIN 2017, 98 Min., Regie u. Buch: Aki Kaurismäki, mit: Sakari Kuosmanen, Sherwan Haji, Janne Hyytiäinen, Ilkka Koivula, Kati Outinen; Start: 30.3. 52 | HEINZ | 04.2017

© SPUTNIK OY, FOTO: MALLA HUKKANEN Ungerührte Helden Jetzt soll also Schluss sein. Der Mann ist seit bald vier Jahrzehnten im Geschäft und hat 18 Kinofilme gemacht. „Ich bin müde,“ sagt Aki Kaurismäki, er will kurz vor seinem 60. Geburtstag endlich anfangen, sein eigenes Leben zu leben. Als seien seine melancholischen Kleine-Leute-Geschichten nicht das Leben gewesen. Mitte der 1980er-Jahre revolutionierten Jim Jarmusch, Alexandre Rockwell und Aki Kaurismäki das Independent Kino mit ihren lakonischen Tragikomödien. Sie fanden ihre Themen auf der Verliererstraße: „In the Soup“ (In der Patsche), „Down by Law“ (Unterdrückt vom Gesetz) und „Schatten im Paradies“ waren die bezeichnenden Titel der Filme. Die Suche nach Glück war nicht der Wohlstandstraum der Mittelklasse, sondern ein Überlebenskampf in den Nischen der Gesellschaft. Als 1989 eine Zigarettenmarke den Slogan „Let’s Go West“ propagierte und der ganze Ostblock folgte, da schickte Kaurismäki die schrillen Leningrad Cowboys (1989) in den Westen. Doch das Glück fanden die wüsten Fun-Punker mit ihrem Tourbus (den ihnen im Film Jim Jarmusch verscherbelte) nicht in den USA, sondern jenseits der Grenze zu Mexiko. Die Geschichte von der erfolglosen Band wurde Kaurismäkis größter Publikumserfolg. Das Leben, von dem Kaurismäki erzählt, kennt er zumindest aus seinen frühen Jahren. Er schlug sich als Kellner, Briefträger, Tellerwäscher und ja: Filmkritiker durch. Seine ersten Filmerfahrungen sammelte er bei der Zusammenarbeit mit seinem älteren Bruder Mika, der sich auf Dokumentarfilme konzentrierte. 1983 gelang ihm mit der Dostojewski-Adaptation „Crime and Punishment“ ein aufsehenerregendes Debüt, das den „finnischen Oscar“ Jussi erhielt. Mit dabei war der Schauspieler Matti Pellonpää, der bis zu seinem frühen Tod 1995 zusammen mit Kati Outinen zur Stammbelegschaft bei Kaurismäki gehören sollte. Jetzt folgten mit der Gangster-Groteske „Calamari Union“, der Underdog-Romanze „Schatten im Paradies“ und „Ariel – Abgebrannt in Helsinki“ Filme, die ein wachsendes Arthouse-Publikum gewannen. Nach dem Erfolg mit Leningrad Cowboys behielt Kaurismäki die ursprünglich fiktive Band mit der Doku „The Total Balalaika Show“ (1993) und der „Go America“-Fortsetzung „Leningrad Cowboys Meet Moses“ (1994) im Auge. In den 1990er-Jahren hatte sich Kaurismäkis Stil gebildet und er brachte in schneller Folge Filme heraus: „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ (1990) , „I Hired a Contract Killer“ (1990), „Das Leben der Bohème“, die Leningrad Cowboys-Projekte und „Wolken ziehen vorüber“ (1996). Dann verlangsamte sich das Produktionstempo. „Der Mann ohne Vergangenheit“ (2002) und „Lichter der Großstadt“ (2006) variierten die bekannten Motive, die Kritik murrte über „immer gleichen Stil“. Den Vorwurf konnte Kaurismäki fünf Jahre später auch mit „Le Havre“ nicht entkräften: Obwohl in der französischen Hafenstadt inszeniert, präsentierte sich doch der Kaurismäki- Kosmos ungerührter Helden und tieftrauriger Perspektiven. Letztere hellen sich am Ende durch eine Wunderheilung auf. Auch das Motiv der Flüchtlinge hielt Einzug. Wie „Die andere Seite der Hoffnung“ ist der Film eine Appell an die Mitmenschlichkeit und eine sozialromantische Ode auf die Solidarität derer, die ganz unten sind. SHAKESPEARE FESTIVAL Im Globe Neuss 9. Juni bis 8. Juli 2017 Globe Neuss LIVE ESCAPE GAME EVENTS IN WUPPERTAL DER NEUE FREIZEITTREND FÜR FREUNDE, FAMILIEN UND KOLLEGEN • Erlebt Nervenkitzel pur bei unseren Versus-Games und Firmenevents • 2 verschiedene Live Escape Rooms • Wir versetzen Euch in die Rolle einer Agentengruppe, Euer Ziel – in 60 Minuten die Mission zu erfüllen und aus dem Raum zu entkommen • Bereits ab 60 € mit 4 Personen spielbar fun4mind Live Escape Game Events • Heinkelstr. 33 • 42285 Wuppertal Tel.: 0178 3263141 • www.fun4mind.de • www.facebook.com/fun4mind ` www.shakespeare-festival.de © SPUTNIK OY, FOTO: MALLA HUKKANEN

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