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08-2018 DORTMUND HEINZ MAGAZIN

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Heinz Magazin August 2018, Ausgabe für Dortmund

KINO | TIPP DES MONATS

KINO | TIPP DES MONATS Puzzle eines Lebens Alkoholund Cartoons Regisseur undDrehbuchschreiber GusVan Sant erzähltinseinem neusten Film „Don‘t Worry, weglaufengehtnicht“ dieLebensgeschichtevon JohnCallahan, einem Cartoonistenmit schwarzemHumor –und ernstem Alkoholproblem. J ohn Callahan ist schon schwer alkoholsüchtig, als er in einen Autounfall verwickelt wird, bei dem er eine Querschnittslähmung erleidet. Der Film „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ erzählt Fragmente seiner Lebensgeschichte und fokussiert dabei vor allem Callahans Weg aus der Sucht und zurück ins Leben und hin zu seiner späteren Profession alsberühmter Cartoonist, der mit tiefschwarzem Humor und satirischer Schärfe die Staaten schockte. Zentrales Thema des Filmes ist dabei nicht zwingend Callahan selbst, erfungiert hier eher als gut ausgeleuchtetes Beispiel dafür, wie Sucht funktioniert. Wie sie Menschen einnimmt, verändert und letztendlich verschlingt, aber auch wie sie die Wurzeln ihrer Sucht ergründen und bekämpfen. Regisseur Gus Van Sant wählt dazu einenDoku-artigen Look und einen puzzleartigen Erzählstil. EinerfestenChronologie folgt der Film nur lose,immer wieder rangieren die gezeigten Szenen inverschiedenen Zeitebenen, wobei der Film dennoch nie zerstreut oder wirr wirkt. Vielmehr zeigt Van Sant so, wie das Gestern stets das Heute beeinflusst, wie jede vergangene Handlung auf die Zukunft wirkt und wie all diese Puzzleteile letzt- lich ein Ganzes ergeben. Dass dieser Effekt dabei nie eindeutig benannt wird, zeugt von Van Sants Vertrauen inein mündiges Publikum–dieser Tage nichtunbedingt eineSelbstverständlichkeit ... Selbstverständlich ist sicher auch nicht die schauspielerische Qualität, die indiesem Film zusammengetragen wird. Joaquin Phoenix als herausragender Hauptdarsteller spielt wie gewohnt inperfekter Art das leidende Arschloch. Überraschender ist da Jonah Hill ineinerNebenrolle alsGuru-artiger Mentor einer Grupper Anonymer Alkoholiker,der hier dezentund zurückgenommen einestarke Performance abliefert. Auch nett: Beth Ditto als Redneck-Lady, fast nicht erkennbar, aber sehr überzeugend. Look, Erzählstil und auch ein schnittiger Humor bewahren dieses Biopic vor der genreüblichen Verkitschung und Übersentimentalisierung, auch wenn gen Ende natürlich die positiven Noten etwas stärker gezeichnet werden. Dafür fällt dann aber auch der Nachhall des Filmes eher milde aus. LukasVering ❚ DON‘TWORRY,WEGLAUFENGEHTNICHT USA 2018 R: GusVan Sant; D: Joaquin Phoenix,Jonah Hill, JackBlack, Beth Ditto, RooneyMara; Start: 16.8. 52| HEINZ |08.2018

Alle Bilder: Scott Patrick Green ©2018 Amazon Content Services LLC. Ein Mann fürs Feine Für Regie und Drehbuch zu „Don‘t Worry, weglaufen geht nicht“ zeichnet sich der US-amerikanische Filmemacher Gus Van Sant zuständig. Jener ist kein Fremder im Verfilmen von außergewöhnlichen Schicksalen. Schon in„Milk“ über den schwulen Aktivisten Harvey Milk bewies er ein feines Händchen dafür, echte Geschichten leinwandgerecht aufzubereiten, ohne sie dabei völlig realitätsfremd zu machen. Stärker Richtung Fiktion lehnte hingegen sein Portrait von Nirvana-Sänger Kurt Cobain namens „Last Days“, welches die letzten Tage des Musikers mit Hilfe einer fiktiven Figur nachstellt. Realität und Fiktion vermengte Van Sant auch für seinen Film „Elephant“ aus dem Jahr 2003, der den Amoklauf an der Columbine High School in Colorado als lose Vorlage wählte. Den größten kommerziellen Erfolg verzeichnete Van Sant aber schon vor einer ganzen Weile: Sein größter Hit ist sicherlich „Good Will Hunting“ mit Matt Damon, Robin Williams und Ben Affleck. Dafür gab es1998 eine Oscar-Nominierung für die BesteRegie.Obdie auch für „Don’t Worry, weglaufen geht nicht“ kommt, ist fraglich, zeichnet sich der Film docheherdurch Zurückhaltung aus. 08.2018| HEINZ |53

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