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07/08_2019 HEINZ MAGAZIN Wuppertal, Solingen, Remscheid

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Idole aus der Traumfabrik Fürdie Ludwiggalerie Schloss Oberhausen hatdie JohnKobal Foundation ihrArchivgeöffnet: Bis zum15. September können dort „Hollywood Icons“ betrachtet werden. Audrey Hepburn byBud Fraker for Sabrina Fair, 1954. Paramount Pictures ©John Kobal Foundation W er heute Bilder von seinen Lieblingsstars sehen möchte, wartet nicht Monate oder gar Jahre, bis neue Porträtaufnahmen oder die ersten Standbilder eines neuen Films erschienen oder am Kino ausgehängt werden. Warum auch, denn es gibt doch Instagram, wo sich neben Milliarden anderer Menschen auch Schauspieler – ob freiwillig oder weil es der Vertrag sowill –zujeder Zeit präsentieren können –mit oder ohne Bezug zum neuen Film, meistens ohne. Dadurch entsteht zwar ein vielschichtiges, da dekonstruiertes Bild der Hollywood-Stars, doch damit hat auch die prägende Wirkung des „Star-Images“ nachgelassen. Diese Entwicklung schwingt in der Ausstellung „Hollywood Icons“ nur als Vorahnung mit, geschuldet dem historischen Wissen. Zu sehen sind über 200 Werke aus der John Kobal Foundation, von denen eine Vielzahl während der goldenen Ära Hollywoods (von den 1910er bis in die 1960er-Jahre) gemacht wurden, umFilme und Stars zu bewerben und den Hollywood-Stil weltweit zu fördern. Weitere Bilder geben Einblicke hinter die Kulissen, wo die Fotografen ungesehen arbeiten konnten. Ob Judy Garland, Fred Astaire oder Elizabeth Taylor: Die Bilder sind ein Sinnbild für die enorme Kraft des Hollywood-Systems, das zeitlebens Gesichter mit einem Typ verknüpfen konnte und mittels Fiktion das Leben nachhaltig durchdringen konnte –inpositiver wie auch negativer Weise. So magisch die Anziehungskraft dieser vornehmlich in Schwarz-Weiß gemachten Fotografien auch ist, es schimmert sowohl die Geschichte des abgebildeten Stars als auch die Entwicklung Hollywoods durch die Fo- Director Alfred Hitchcock byErnest Bachrach for Notorius, 1946. RKO ©John Kobal Foundation Scotty Welbourne and Ida Lupino atWarner Bros Studios, Burbank, 1940 ©John KObal Foundation tografien hindurch. Da ist der „versilberte Rebell“ Marlon Brando als „Der Wilde“ (1953), der mit seinem Method Acting das Spiel der Filmstars revolutionierte und von seiner Berufung doch zeitlebens gelangweilt war, sich lieber politisch engagierte, Frauen eroberte und die Langeweile mit Essen aufzulösen versuchte. Oder Marlene Dietrich, fotografiert von Eugene Robert Richee für „Marokko“ (1930), die spätere Stil- Ikone, die ihren Mythos zu pflegen wusste und sich in den 1970er-Jahren inParis zurückzog –Kontakte nur per Telefon. Und natürlich James Dean, dessen Tod, wie auch der von Marilyn Monroe, die Brüchigkeit hinter dem Star-Mythos offengelegt hat und eine ganze Nation traumatisierte. Denn so glatt und perfekt die Bilder der meist weißen Schauspielerinnen und Schauspieler scheinen, verbergen sie auch die Schicksale, Tragödien und Skandale, die Hollywood seit seinem Bestehen prägen. Und Hollywood? Ende der 1960er-Jahren endete die goldene Ära der Traumfabrik und das New Hollywood kam zur Blüte. Eine Zeit, in der die mächtigen, alteingesessenen Studios an Einfluss verloren, der Regisseur als Autor in den Vordergrund drang und die alten, auf Silbergelatine gebrannten Gesichter verschwanden und neue Stars die Bildfläche betraten. Die Verfehlungen unter der glatten, schönen Oberfläche sind geblieben – damals wie heute. Das hat zuletzt die #metoo-Debatte gezeigt. Gerade deshalb ist die zweifelhafte Anziehungskraft von historischen Fotos mit einem vermeintlich perfektenStarungebrochen. Stefanie Roenneke ❚ HOLLYWOOD ICONS –Fotografien aus der John KobalFoundation LudwiggalerieSchloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, Oberhausen; Dauer: bis 15.9.;Öffnungszeiten:Di-So11-18Uhr; Eintritt: 8€, ermäßigt4€; www.ludwiggalerie.de 07. /08. 2019 | HEINZ |65

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