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KUNST|ÜBERSICHT 48|

KUNST|ÜBERSICHT 48| HEINZ |06.2019

Provokante Schönheit Kunst soll nicht (mehr) in erster Linie schönsein, siesollfordern, Irritationen in der Wahrnehmungerzeugen, Brüche in derWirklichkeit,Utopien aufzeigen, Dingeanders und neu denken. Deshalb ist es aucheine Provokation, wenn das Duisburger Lehmbruck-Museum seine Jubiläumsausstellung „Schönheit“nennt. Auguste Rodin: Le penseur, Musée Rodin Paris ©Christian Baraja A nlass der Schau ist der 100. Todestag des berühmten Duisburger Bildhauers Wilhelm Lehmbruck, nach dem das Museum benanntund der am 25.März1919 in Berlin gestorben ist. In der Ausstellung treffen mit Werken von Auguste Rodin und Wilhelm Lehmbruckdie Arbeitenzweier Meisterder Moderne aufeinander und lassen unterschiedliche Schönheitsideale inder Kunst und die Offenheit des Begriffs erfahren. „In den vergangenen Jahren haben wir für unsere Ausstellungen immer programmatische Titel wie ‚Kunst und Kapital‘ gewählt“, erklärt Museumsleiterin Söke Dinkla. „Für die Jubiläumsschau spannen wir den Bogen zurück in die Zeit der beidenKünstler, in die Belle Époque, die Zeit der Akademien der schönen Künste.“ Die Schau erzählt vom Paradigmenwechsel der künstlerischen Avantgarde der Moderne, deren Schönheitsideal und damit auch das Menschenbild sich im Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundertveränderten. Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert gilt das Schöne nichtmehrunbedingt alsdas Wahreund Gute, sondern als das Schöngemachte, Schmeichelnde und daher Unwahre. Auguste Rodin fasst die Umdeutung des Schönen so zusammen: „Hässlich in der Kunst ist das, was künstlich ist; was hübsch oder schön zusein versucht, ohne ausdrucksstark zu sein.“ Es ist verbürgt, dass der 41 Jahre jüngere Wilhelm Lehmbruck 1904 eine Rodin-Ausstellung in Düsseldorfbesucht hatund es ist sehr wahrscheinlich, dass erwegen ihm nach Paris gezogen ist. Durch seine Frau Anita wissen wir, dass esauch ein Treffen der beiden Bildhauergab.DochLehmbruck eifertedem älteren, etablierten Kollegen nicht bloß nach –er rieb sich an seinem Werk. Seinen „Sitzenden Jüngling“ von 1915/16 bezeichnete Lehmbruck auch als „Der Denker“ und bezog sich damit di- „Hässlichinder Kunst ist das, waskünstlichist;was hübschoderschön zu sein versucht,ohne ausdrucksstarkzusein.“ Wilhelm Lehmbruck: Emporsteigender Jüngling, 1914 ©Jürgen Diemer rekt auf die berühmte Skulptur Rodins, diezwischen1880 und1882 entstand. Während Rodins Denker mit seinem muskulösen Körper auch etwas Monumentales, Repräsentatives hat, ist Lehmbrucks feingliedriger Jüngling in sich gekehrt, fast verzagt wirkend und verschlossen. Die Skulptur scheint den Betrachter auf Abstand haltenzuwollen, es ist, alsbetreteman einen innerenKreis,wennman ihrzunah kommt. Im Unterschied zuRodin entwirft Lehmbruck eine Ästhetik, die auf einem neuen Verständnis von Proportionen beruht. Seine Formenspracheist klar und beruhigt und dennoch anti-klassisch. Ihm geht esvor allem umdie Darstellung einer inneren Wirklichkeit, um das Erfassen eines Ausdrucks, dem Schaffen eines neuenkünstlerischenIdealsjenseits tradierterSchönheitsvorstellungen. „Das Sinnieren, mit dem man seine Figuren immer zusammenbringt, bezeichne ich als Meditieren“, sagt Museumsdirektorin Söke Dinkla. „Sinnieren ist ein Kunstwort, das für uns heute wenig Gehalt hat. Und das Meditieren passt auch,weilLehmbruck sich mit Anthroposophie beschäftigt, Rudolf Steiners Aufruf zu einem gesellschaftlichen Neuanfang, einem neuen Denken unterzeichnet.“ Mit mehr als hundert Werken und Leihgaben aus nationalen und internationalenMuseen wie dem MuséeRodin oder dem Centre Pompidou in Paris präsentiert die Ausstellung hochkarätige Arbeiten, die in dieser Zusammenstellung erstmals zu sehensind. Danebengibtdie Studioausstellung „Wilhelm Lehmbruch: Zur Person“ Einblicke inseine private und künstlerische Biografie. MaxFlorian Kühlem ❚ SCHÖNHEIT.LEHMBRUCK &RODIN –MEISTER DERMODERNE Lehmbruck- Museum,Düsseldorfer Str. 51, Duisburg; Dauer: 23.3.-18.8.; Öffnungszeiten: Di-Fr 12-17 Uhr, Sa+So11-17 Uhr; Preis: 9€,ermäßigt 5€,jeden 1. Freitag im Monat „pay what youwant“ 06.2019| HEINZ |49

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