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01_2020 HEINZ MAGAZIN Essen

KUNST | ÜBERSICHT Else

KUNST | ÜBERSICHT Else Lasker-Schüler, Prinz Jussuf von Theben, um 1934 ©Herbert Fischer SEHNSUCHTSORTTHEBEN ElseLasker-Schüler Flötespielend, mit Pagenkopf undHosen (ein Statementder „modernen“ Frau), so zeigt ein Foto Else Lasker- Schüler (1869geboren in Wuppertal - 1945 gestorben in Jerusalem). Mit200 Werken der Avantgarde vonJawlensky über Adlerbis Grosz -darunter80Grafiken, Bücherund Briefe derbedeutenden Lyrikerin -gelingt KuratorinAntje Birthälmer ein Blick aufdie faszinierende Bandbreiteihres Wirkens. Im Zentrum:wenig bekannte jüdisch-orientalischinspirierte Zeichnungenund Texte ihresfiktiven Alter-Ego„PrinzJussuf vonTheben“.Ihr großesNetzwerk reichte vomBauhaus bis zu den Expressionisten. Inspirierend warder bildhafte Briefwechselmit Franz Marc. In Berlin warsie seit 1894,emigrierte 1933 in dieSchweiz undblieb 1939 in Jerusalem. bws ❚ ELSE LASKER-SCHÜLER –„PrinzJussuf von Theben“und die Avantgarde Vonder Heydt-Museum, Turmhof8,Wuppertal; Dauer: bis 16.2. ZEICHNUNG.FILM.INSTALLATION Evelina Cajacob Hände falten Geschirrtücher, zerreißen Stoff,waschen Gemüse, wickeln Wollknäuel aufund kneten Teig in der Schüssel –mit sinnlicherSorgfaltzu Originalgeräuschen.Die einzelnen Videostationenhat EvelinaCajacob in ihrerAusstellungverteilt,als Projektionen, als Bildmonitore an der Wand oder skulptural auf Tisch undBoden. Erstmals kombinierte dieSchweizer Künstlerinihr gesamtesVideowerk mit ihrengroßformatigen Zeichnungenaus zartem Lineamentzwischen Abstraktion undGegenstand.Gitterstrukturen erinnernantransparentenChiffon. FeinsteBlei- undFarbstiftstricheverdichtensich zu Blattwerk,Gräsern und Geäst.Rhythmik, Verdichtung und Vernetzungerzeugt dieKünstlerinauch räumlich:Cajacob öffnet dieoft verdunkelteFensterzone zum Garten, um Innen- und Außenwelt zu verweben. ch ❚ EVELINA CAJACOB Kunstmuseum Bochum, Kortumstr.147; Dauer: bis 23.2 ©Evelina Cajacob, Il paun da mintgadi, 2011/12 (Videostill) Claudia Heinrich Flachgetaucht DasDIVE-Festival fürimmersive Künste –erste Kooperationzwischen BochumerSchauspielhausund Planetarium –ist vorbeigerauscht. Und haftenbliebnichtsvon Bedeutung.Ums Eintauchen in Wahrnehmungsräume ging es. Andersals Bücher,Filme, Theaterstücke, diesofesseln, dass man Raum, Zeitund Medium vergisst und mitfiebert,haben Werkeimmersiver Kunst, so hießes, den Umraum von Beginn an integriert.Umhüllendie Betrachter,attackieren ihreSinne,ermuntern zurInteraktion, real,virtuell, mit oderohne 3-D-Brille.Die mit viel Tamtambeworbene Multimediainstallation „Sensefactory“ in Zeche 1kam ohne diese Brille aus, entpupptesichallerdingsals eine Artlabyrinthische Hüpfburg für Erwachsenemit pneumatischen Wänden im Licht-, Duft- und Klanggewitter.Nett, aber dünn –Überwältigung fühlt sich andersan. Ton und Bild satt boten diezweiVeranstaltungsnächte im Planetarium. Zuschauer konntenmit Armgefuchtel Klangfolgenerzeugenund alsMarkierung in die Kuppel projizieren–aber warum? Danachgaltesjedenfalls, Influencer-Geschwätzdurchzustehen und einem Schlagzeuger zu lauschen,der kein Ende fand.Zur Halbzeit nach vier Stunden wurde ichvon Stroboskoplicht-Attacken in dieFlucht geschlagen.Was bleibt?Bis 12.1. noch „WaveformX“ vonUlf LangheinrichimOvalOffice untermSchauspielhaus: Farbrauschen auf Projektionswand,Reflexionsgeflimmerauf Wasserfläche.Mit Stereoskopbrille betrachtet,erahnt man eine dezente 3-D-Raumerfahrung,Immersion light,sozusagen.Auchsoein Technikspektakel,das mitvielAufwandhöchst flüchtigeAha-Erlebniseffekteerzeugt, ohne Nachhallund Tiefgang. ClaudiaHeinrich Installationsansicht MKM 2019, (l.) Katharina Grosse, o.T.,2018 (Detail), (r.)Gotthard Graubner, torquere, 1984 ©Katharina Grosse und VGBild-Kunst, Bonn 2019 /Gotthard Graubner und VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Foto: Henning Krause, Köln MASCHINENMENSCHEN Dermontierte Mensch Der Mensch alsErfinder will Körper undGeist erweitern,mit technischen, jetzt auch digitalen Hilfsmitteln.Wie wirvon Maschinenprofitieren, aber auch gefährdet,kopiert, verdrängt werden, sind existenzielle Fragen – auch in derKunst.Die Ausstellung gibt Einblickein150 JahreVerschmelzungvon Mensch und Maschine.124 Künstler/-innenbeleuchteninfünfKapiteln diegroßen gesellschaftlichen NAH AN DEN MENSCHEN Bieke Depoorter Ein betrübterTeenager am Tisch,ein alterMann, dereinen Koffereinesteile Treppeherunterschleppt,einegeschminkte Frau am Telefon. Aufden ersten Blick scheinen dieBilder ganz gewöhnliche Fotografien vonganz gewöhnlichen Alltagssituationenzu sein. Diebelgische Fotografin Bieke Depoorter(*1986), als jüngste Fotografin Mitglied der AgenturMagnum, hatmit ihrenFoto-Serien undKurzfil- Umbrüche vonder industriellen zur digitalenRevolution. Alldies ist chronologisch entwickelt: vontechnikbegeisterten Futuristenüber mechanische und digitale Malroboter,Stelarcs Körperprothesen, Klaphecks „Krieg“und HelgeSchneider alsRoboterflüsterer in Kluges Video bishin zu künstlicher Intelligenz, dieeigene Werkeentwickelt. Diegelungeneoffene Ausstellungsarchitektur steigertdie Neugier. ch ❚ DERMONTIERTE MENSCH Museum Folkwang, Museumsplatz 1, Essen; Dauer: bis 15.3 Bieke Depoorter: FRANCE. Paris. November 2,2017. Agata. ©Bieke Depoorter /Magnum Photos FARBE ABSOLUT Grosse xGraubner Farbpowerinkontrastiver Doppelschau:hier Katharina Grosse (geb. 1961),bekannt für großflächigegestische Arbeiten mitSprühpistole, dort Gotthard Graubner (1930-2013), Schöpfer legendärer Kissenbilder, in die Blick undGeist meditativ versinken. Beideverbindet Einiges: Grosse hatu.a.bei Graubner studiert, beide lehrtenander DüsseldorferAkademie. Farbeist ihr Element:Material undThema zugleich.Doch ihrWerk könnte kaum unterschiedlicher sein, wie die Duisburger Ausstellungmit Früh-und Hauptwerken offenbart. Grosse arbeitetschnell,lässtknallige Farben explosiv aufeinanderprallen und abtropfen, löstRaumbegrenzungenauf.Graubner riebFarbe Schicht um Schichtindie „Farbraumkörper“ ein,bis sie voninnen herausleuchten. Beidekönnenganz wunderbar nebeneinander bestehen! ch ❚ GROSSE/GRAUBNER MKMMuseum Küppersmühle, Philosophenweg 55, Duisburg; Dauer: bis 26.1 men diverseAuszeichnungen gewonnen undwirdjetzt in einer großen SchauimNRW-FORUMpräsentiert. Immer gehtesinihren Arbeiten um die Beziehungen zu denMenschen und um dieeigeneRolle als Fotografin, als Beobachterin und als Kooperationspartnerin. Viele derSerienentstehen nachts,oft istsie als Gast den Menschen engverbunden und bleibt alsFotografin doch immer Außenseiterin. kb ❚ BIEKE DEPOORTER NRW-Forum,Ehrenhof2, Düsseldorf; Dauer: bis 16.2. Konrad Klapheck: Der Krieg, 1965, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen;, Düsseldorf ©VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Walter Klein, Düsseldorf 46| HEINZ |01.2020

TeoOtto Theater Unsere Highlights 2020 Konrad-Adenauer-Straße 31-33 | 42853 Remscheid | Theaterkasse: 02191 16-2650 | theaterticket.remscheid.de www.teo-otto-theater.de 01.2019| HEINZ |47

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