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01-2019 HEINZ MAGAZIN Wuppertal, Solingen, Remscheid

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KUNST | TIPP DES MONATS

KUNST | TIPP DES MONATS 48| HEINZ |01.2019

Farbe, Form,Elefant Bauhaus zu Ehren Wirklich eintauchenindie hundertjährigeGeschichteder Kunst- und Architekturschule Bauhaus kann der Besucher in einem dunklen Hinterraum des DüsseldorferNRW-Forums.Hierliegen Virtual-Reality-Brillen bereit,die die90JahrealteWerkbundausstellung „Film und Foto“wiederauferstehen lassen. Damals lernte dasdeutsche Kunstpublikum zumersten Mal, dasszum Bauhaus selbstverständlich auchdie Fotografie gehört.Das NRW-Forumverdeutlichtdies aktuell in einer großen Ausstellung. Doug Fogelson: Forms And Records No 01, 2014, Fotogramm, Leuchtkasten ©Doug Fogelson B auhaus und die Fotografie“ heißt die Düsseldorfer Schau, die Teil des Jubiläumsprogramms 100 Jahre Bauhaus ist. Die Ausstellungsmacher im NRW-Forum verstehen es, ein junges Publikum inden Bann zu ziehen: freitags und samstags ist bis 21 Uhr geöffnet, minimalistische Popmusik von Nils Frahm dringt vom coolen Café in der Museumsmitte durch alle Räume. Die Arbeit, die die erste Aufmerksamkeit heischt, erinnert an Pop-Art: Vivianne Sassen hat auf ihren großformatigen Fotoarbeiten knallbunte halbtransparente Farbflächen in Wüsten-Szenarien gestellt. Sie dominieren die Szenerie, sind eine Referenz an die farbigen Quadrate des abstrakten Malers und Bauhaus-Meisters Josef Albers. Realistische Landschaftsfotografie und Abstraktion kommen hier zusammen,überlagerneinander. Vivianne Sassens Werkgruppe „Umbra“ von 2014 ist gut positioniert, weil sie auf den ersten Blick einfach zu konsumieren ist und durch ihre knallige Farbigkeit in die Schau hineinzieht. Konzept der Ausstellung, die im Untertitel „Zum Neuen Sehen inder Gegenwartskunst“ heißt, ist, mit zeitgenössischen Positionen dem Erbe der Bauhaus-Fotografen nachzuspüren. Und das ist nicht immer so einfach zu durchdringen wie in dieser ersten Arbeit. Zum Konzept der Schule des Neuen Sehens, die sich ab Mitte der 1920er-Jahre im Bauhaus entwickelte, gehörte nämlich unbedingt das Experiment mit dem neuen Medium. László Moholy-Nagy, der Fotografie im Bauhaus lehrte, war zum Beispiel für seine Fotogramme bekannt –also Arbeiten auf lichtempfindlichem Fotopapier, die ohne Kamera entstanden. Mit farbigen Großformaten spürt Daniel T. Braun heute dieser Technik nach, nennt seine Arbeiten „Raketogramme“, weil erdas Fotopapier inphysischen Kontakt zuabbrennender Pyrotechnik bringt. Die Ergebnisse erinnern an Action Painting. Marianne Brandt, Spiegelungen zwischen Bauhaus-Türen in Dessau, um1926 Viviane Sassen: Yellow Vlei ©Viviane Sassen Douglas Gordon: Play Dead; Real Time, 2003,© Studio lost but found,Berlin /VG Bild-Kunst, Bonn, 2018 Offensichtlich direkt auf einen Werkausschnitt László Moholy-Nagys bezieht sich die Architektur-Fotografin Antje Hanebeck. Moholy-Nagys hatte 1925 von einer Aussichtsplattform des Berliner Funkturms steil nach unten fotografiert und durch die spektakuläre Perspektive für eine Wahrnehmungsirritation gesorgt. Hanebecks schwarz-weißen Motive sind allerdings nicht dokumentarisch, sondern durch das Zusammenbasteln von grafischen und fotografischen Elementen entstanden –spannende, zuentwirrende Rästelbilder. Eine wichtige Frage stellt die Ausstellung, wenn sie die Anti-Brexit-Kampagne des berühmten Fotografen Wolfgang Tillmanns mit den historischen Werken in Beziehung setzt: Inwieweit war das Bauhaus politisch ausgerichtet? Ein Vorwurf, den sich die Fotografie-Experimente des Neuen Sehens gefallen lassen mussten, war der des Ästhetizismus –dass sie also nicht wie die künstlerische Avantgarde der Moderne auch auf radikale gesellschaftliche Veränderungen zielten. Wolfgang Tillmanns bringt in der Plakat-Kampagne die entrückten Horizont-Bilder seiner Serie „Vertical Landscapes“ mit Slogans gegen den EU- Austritt Großbritanniens zusammen: „No man is an island.Nocountry by itself.“ Zwei echte Hingucker hat die Ausstellung außerdem mit Dominique Teufens „Selfiepoint“ vor einer Bergkulisse, die sich beim zweiten Hingucken als zusammengesetztes Papiergebirge erweist. Und auch die riesige, dreiteilige Videoinstallation „Play Dead, Real Time“ von Douglas Gordon ist eine Schule des Sehens, weil nur bei oberflächlicher Betrachtung ein sterbender Elefant imWhite Cube zu sehen ist. MaxFlorian Kühlem ❚ BAUHAUS UND DIE FOTOGRAFIE NRW-Forum, Ehrenhof2,Düsseldorf;Dauer: bis 10.3. 01.2019| HEINZ |49

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