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01-2018 DORTMUND HEINZ MAGAZIN

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Heinz Magazin Januar 2018, Ausgabe für Dortmund

KINO | TIPP DES MONATS

KINO | TIPP DES MONATS Unbehagliche Poesie Alamode Film Zwischen Horror und Humor Vergangenes Jahr sorgte der griechische Filmemacher Yórgos Lánthimos mit dem so schrulligen wie düsteren Sci-Fi-Streifen „The Lobster“ für einigen Wirbel, jetzt dreht er diesen Strudel mit dem genauso faszinierend merkwürdigen Drama „The Killing of a Sacred Deer“ noch ein Stück weiter über die Grenze. H erzchirurg Steven trifft auf den Sohn eines Patienten, der auf seinem OP-Tisch starb. Während er den etwas simpel erscheinenden Jungen in seine Obhut nimmt, ahnt er nicht, dass jener mit einem fiesen Rachespielchen für etwas, was er für Gerechtigkeit hält, sorgen will. Lánthimos beweist hier erneut, dass er ein fanatischer Meister seines Faches ist. 120 Minuten lang versetzt er seine Zuschauer mit manischer Energie in Unbehagen und erschafft eine frenetische Kinetik, deren Gesetze man ständig versucht zu ergründen, ohne sich je mit einer Lösung zufriedengeben zu können. In Lánthimos Realität einzutauchen, ist wie ein Bild anzustarren, auf dem irgendein Detail verkehrt ist, ohne dass man je wirklich herausfindet, welches es ist. Helfen könnte ein Blick in die griechische Mythologie, aus deren Gedankengut Lánthimos sich hier bedient. Dabei verrät der Filmtitel schon, was den Zuschauer erwartet: Hier hat jemand einen Alamode Film heiligen Hirsch getötet und muss dafür bestraft werden. In der Mythologie ist es König Agamemnon, der zur Sühne seine Tochter Iphigenie den Göttern opfern soll. Lánthimos baut aus dieser Grundlage ein verzwicktes Dilemma für seine Protagonisten, dass zwar ein abstraktes Konstrukt ist, aber sich dennoch in der emotionalen Ader festbeißt. Getragen wird der Film auch von seinen beachtlichen Darstellern, die immer etwas entrückt und fremd wirken, die eine perfekt zum Film passende Aura der unergründlichen Merkwürdigkeit ausstrahlen. Die Irritation lauert hier hinter jeder Ecke. Und an der Hand hält sie einen fiesen kleinen Teufel, der sich pechschwarzer Humor nennt. Dass diese absurde Komik immer nur einen Fingerbreit vom nächsten Horror entfernt ist, ist genau das, was „The Killing of a Sacred Deer“ zu so einem perfiden Genuss macht. Aufgeladen bis über beide Ohren, ist „The Killing of a Sacred Deer“ ein verdrehtes Gedicht, das Zuschauer mit dem unheimlichen Gefühl zurücklässt, einen Begleitlektüreband verspeisen zu wollen. Lukas Vering ❚ THE KILLING OF A SACRED DEER GBR, IRL 2017, R: Yórgos Lánthimos, D: Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Alicia Silverstone, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, Start: 28.12. 52| HEINZ |01.2018

Alamode Film Präsentiert von: Unterhaltsamer Verstörer Der in Athen geborene Regisseur und Drehbuchschreiber Yórgos Lánthimos hat sich in den letzten zehn Jahren langsam, aber stetig zum Geheimliebling unter Kinokennern gemausert. 2009 sorgte sein in griechischer Sprache aufgenommener Streifen „Dogtooth“ für Raunen bei den rennomierten Filmfestspielen in Cannes. Schon hier beweist Lánthimos ein geschicktes Händchen für verquere Charaktere, die in genauso verdrehten Realitäten leben. Schon hier arbeitete der Grieche zusammen mit Drehbuchschreiber Efthymis Filippou, schon hier gab es 2011eine Nominierung bei den Oscars in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Nach einem weiteren preisbescherten Eintrag im Register der merkwürdig faszinierenden Filme mit „Alpis“ folgte 2015 dann Lánthimos und Filippous erster englischsprachiger Film mit nicht zu verachtendem Cast: „The Lobster“. Für die schwarzhumorige Dystopie über eine Welt, in der Singles vom Staat in Tiere verwandelt werden, wenn sie keinen Partner finden, hagelte es Nominierungen und Preise. Den Jurypreis in Cannes konnte Lánthimos ergattern, ebenso den Europäischen Filmpreis für das Drehbuch, das auch bei den Oscars nominiert wurde. „The Killing of a Sacred Deer“ erfreut sich ebenfalls schon an viel Aufmerksamkeit in der Preisverleihungssaison. Zurecht, schließlich ist Lánthimos Perspektive nicht nur markant, sondern wahrlich einzigartig. Niemand schafft es so zuverlässig, seine Zuschauer gleichermaßen zu unterhalten, zu verstören und zum Reflektieren anzuregen. Eine aufregende Stimme im internationalen Filmgeschäft. lv Immer dienstags um 20 Uhr! Tickets 20 Euro Schüler und Studenten mit gültigem Ausweis 15 Euro LUDGER K. UND GÄSTE TERMINE 2018: 30. Januar, 24. April, 28. August, 13. November Rottstraße 30 · 45127 Essen Tickets und Gutscheine: (02 01) 247 93 93 oder variete.de 01.2018| HEINZ |53

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