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HEINZ Magazin Juli 2017, Ausgabe für Essen

KINO TIPP DES MONATS

KINO TIPP DES MONATS Sichten auf den Krieg Zwei Filme, zwei Perspektiven Der Brexit ist noch nicht ausgehandelt, da ziehen sich die Briten schon aus Europa zurück – zumindest im Film. Ein Jahr nach dem Referendum besinnt sich das Inselvolk im Kino auf die „splendid isolation“. Das Weltkriegs-Wunder von Dünkirchen und die Rettung vom Kontinent stehen im Juli gleich doppelt auf dem Spielplan mit der patriotischen Kriegsromanze „Ihre beste Stunde“ und Chris Nolans Soldaten-Drama „Dunkirk“. W enn die Zukunft ungewiss ist, dann besinnt sich die verunsicherte Nation gern auf die Geschichte. Die Sternstunden britischer Selbstbehauptung leuchten vermehrt auf der Leinwand. Nach Tom Hoopers Vorstoß mit „The King’s Speech“ (2010) feilte im Mai auch das Biopic „Churchill“ an einer kriegsentscheidenden Rede im Kampf gegen die Nazis. Vom unbeugsamen Widerstandsgeist der Briten gegen die scheinbar unaufhaltsamen Armeen Hitlers handeln auch Lone Scherfigs „Ihre beste Stunde“ und Chris Nolans „Dunkirk“. Die Perspektive auf die Operation Dynamo könnte kaum unterschiedlicher sein. Die dänische Regisseurin Scherfig nimmt die ganz konventionell „weibliche“ Perspektive auf das Kriegsgeschehen ein: Ihre Heldin ist Drehbuchautorin, für die der kriegsbedingte Männermangel in der englischen Filmindustrie eine einmalige Chance eröffnet. Der Anglo-Amerikaner Chris Nolan wählt die klassische Kriegsfilm-Sicht, allerdings kombiniert er aus dem subjektiven Erlebnis von Infanterie, Navy und Air Force eine ganz neue filmische Sicht, für die der Regisseur vor allem seit „Memento“ (2000) bekannt ist. Im gleichen Jahr wie Nolan mit „Memento“ erreichte Lone Scherfig mit dem skandinavischen Feelgood-Knüller „Italienisch für Anfänger“ übrigens ebenfalls den Durchbruch. Das „Wunder von Dünkirchen“ war zunächst einmal eine desaströse Niederlage, die englischen Soldaten konnten praktisch nur ihr nacktes Leben retten. Der Kontinent war verloren, der Verbündete geschlagen und große Mengen Kriegsgerät waren dem Feind in die Hände gefallen – der britische Löwe stand allein gegen die scheinbar unaufhaltsamen Nazi-Truppen. Nur der schmale Ärmelkanal trennte die britische Demokratie von Hitlers Terror. „Ihre beste Stunde“ schlägt der Werbetexterin Catrin Cole (Gemma Arterton), als sie für die Mitarbeit am Drehbuch für einen Spielfilm gewonnen wird. Mit einer patriotischen Heldengeschichte will das britische Informationsministerium die Nation nach dem Desaster an der Kanalküste wieder aufrichten. Die Geschichte vom Fischer, der mit seinem Kutter aufbricht, um die Jungs aus Dünkirchen nach Hause zu holen, ist zwar nicht ganz authentisch – aber genau das Richtige für die Heimatfront im Kino. Catrin Cole soll dem Script den richtigen Touch geben, damit auch die Frauen angesprochen werden. Für Catrin ist die Filmwelt eine 52 | HEINZ | 07.2017

„IHRE BESTE STUNDE“ © 2017 CONCORDE FILMVERLEIH GMBH Operation Dynamo Ende Mai 1940 drohte der Krieg gegen Deutschland für die Alliierten ein Debakel zu werden. Hitlers Blitzkrieg hatte nicht nur Polen überrollt, sondern auch Frankreich wurde von den schnellen Panzervorstößen besiegt. Hitler wähnte sich am Ziel. Was die kaiserlichen Generäle im Ersten Weltkrieg nicht geschafft hatten, hatte der Gefreite von damals in wenigen Wochen geschafft: Der Erbfeind war in die Knie gezwungen, die Schmach der Niederlage von 1918 getilgt. Und doch hatte der Sieg der Wehrmacht einen entscheidenden Makel. Statt die eingekesselte englische Expeditionsarmee an der Kanalküste zu zerschlagen, gab Hitler am 24. Mai seinen Truppen den Haltebefehl. Es vergingen Tage, die die Engländer nutzen konnten, den größten Teil ihrer Soldaten und einen Teil der französischen Armee zu evakuieren. Schlechtes Wetter begünstigte die Flucht, die deutschen Bomber konnten nicht starten. Praktisch alles, was schwimmen konnte, wurde genutzt, um die Männer über den Kanal zu bringen. Über 900 Wasserfahrzeuge, darunter Fischkutter und Rettungsboote, transportierten in den neun Tagen der Operation Dynamo (26.5.- 4.6.40) fast 350.000 Soldaten nach England. Am Strand von Dünkirchen mussten die Alliierten Unmengen an Kriegsmaterial zurücklassen, darunter rund 50.000 Fahrzeuge. Die von Hitler nur halbherzig geplante Invasion Englands wurde im Sommer 1940 aufgegeben, nachdem es der deutschen Luftwaffe nicht gelang, die Lufthoheit über Kanal und Insel zu erlangen. Die britische Insel wurde zum Flugzeugträger der alliierten Luftangriffe auf Deutschland. Im Juni 1944 sollten die britischen Soldaten vereint mit den Amerikanern zurückkehren. Mit der Invasion vom „D-Day“ hatte sich Hitlers Kriegsglück endgültig gewendet. In England wurde das „Wunder von Dünkirchen“ zum Mythos des unbeirrbaren Widerstandsgeistes, den Churchill mit Victory- Zeichen und der Parole „Blut, Schweiß und Tränen“ immer wieder beschwor. Die Franzosen fühlten sich zunächst von der Kontinentalflucht des Verbündeten im Stich gelassen, sie mussten vier Jahre auf die Befreiung warten. „SOMMERKINO IM BESTEN SINNE. EIN SINNLICHES VERGNÜGEN!” DIANE LANE CINEMA ARNAUD VIARD UND ALEC BALDWIN PARIS KANN WARTEN „DUNKIRK“ © 2017 WARNER BROS., FOTO: COURTESY OF WARNER BROS. PICTURES ganz neue Erfahrung. Nicht nur, dass ihr Mann als Künstler für derlei Schönfärberei nur Verachtung übrig hat, die Dreharbeiten erweisen sich mit dem launischen Filmstar Ambrose Hilliard (Bill Nighy) und dem schauspielerisch völlig unbegabten Fliegerhelden Carl als kurios. Dafür findet Catrin in Buckley einen ebenso smarten wie zynischen Ko- Autoren, für den sie bald mehr als kollegiale Zuneigung empfindet... Genau wie Catrin finden Lone Scherfig und ihre Drehbuchautorin Gaby Chiappe den richtigen Tonfall für ein vor allem weibliches Publikum: eine unterhaltsame Mischung aus historischer Dramatik, romantischer Herzensbildung und komödiantischer Entspannung. Trotz tragischer Einzelfälle bleibt der Krieg weitgehend museale Kulisse. Der historische Brexit sieht bei Nolan ungleich martialischer aus. Doch mit Superheldentum hat „Batman“-Regisseur Nolan diesmal nicht viel im Sinn. Angst dominiert die Bilder, das Gefühl des hilflosen Ausgeliefertseins steht in den blassen Gesichtern der jungen Soldaten, der bange Blick nach oben zu den todbringenden Stukas, das tatenlose Ausharren in der schutzlosen Todeszone des Strandes. Und hier lässt Nolan die geballte Macht von Inszenierung und Spezialeffekten auf die kreatürlichen Fluchtinstinkte niedergehen, dass sich die versinkenden Soldaten noch unter Wasser die Ohren zuhalten. Anders als der Film im Film von „Ihre beste Stunde“ ist „Dunkirk“ kein Durchhaltefilm und schon gar kein Fanal für die Brexiteers. philipp koep ❚ IHRE BESTE STUNDE (Their Finest) GB 2017, 117 Min., Regie: Lone Scherfig, mit: Gemma Arterton, Sam Claflin, Bill Nighy, Jack Huston, Paul Ritter, Richard E. Grant; Start: 6.7. ❚ (DUNKIRK) GB/F/USA/NL 2017, Regie: Christopher Nolan, mit: Tom Hardy, Cillian Murphy, Mark Rylance, Kenneth Branagh, Harry Styles, Fionn Whitehead; Start: 27.7. WWW.PARISKANNWARTEN.DE EIN FILM VON ELEANOR COPPOLA AB 13. JULI IM KINO WWW.FACEBOOK.DE/TOBISFILMCLUB

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