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HEINZ Magazin Essen 03-2016

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HEINZ Magazin März 2016, Ausgabe für Essen

STADTPLAN STORY Judas

STADTPLAN STORY Judas als 2. Messias HEINZ präsentiert Ben Becker Ob als Kindsmörder in Neil LaButes „Bash: Stücke der letzten Tage” an den Hamburger Kammerspielen 2001 oder als Ansager beim Comeback-Konzert der Band Böhse Onkelz am Hockenheimring 2014: Die Rolle des Bad Boy ist dem Schauspieler Ben Becker auf den Leib geschrieben. Jetzt ist er mit dem Stück „Ich, Judas” auf Deutschlandtournee. Im März ist er auch in der Christuskirche Bochum zu erleben. E rstmals inszeniert der stimmgewaltige 51-Jährige, der zu den schillerndsten deutschsprachigen Schauspielern seiner Generation zählt, gemeinsam mit John von Düffel, Dramaturg am Deutschen Theater Berlin. Der Domorganist Andreas Sieling begleitet Beckers Monolog auf der Orgel. Becker übernimmt die Rolle des Judas. Die Geschichte des Judas ist eine der Schuld ohne Vergebung. Er ist der einzige Feind, für den es keine Liebe gibt, der Meistgehasste, Meistverfolgte und Verteufelte: Judas, der Jünger Jesu, der Gottes Sohn mit einem Kuss verrät und ans Kreuz liefert. In der Inszenierung „Ich, Judas“, die entstanden ist auf der Basis von Walter Jens’ Text „Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot” und Amos Oz’ „Judas”, streift Judas seine Rolle als Verräter und Bösewicht ab. JOHN VON DÜFFEL (FOTO: KATJA SONNENBERG) Der Text des Literaturhistorikers, Schriftstellers und Kritikers Walter Jens, der 2013 im Alter von 90 Jahren starb, stammt aus den 1970er Jahren. Auch der britische Komponist Andrew Lloyd Webber stellt in seinem 1971 uraufgeführten Musical „Jesus Christ Superstar“ die Rolle des Judas in ein versöhnlicheres Licht. Doch die theatralische Ehrenrettung des vermeintlichen Bösewichts gehört ganz Becker. In der brandneuen Inszenierung, die im November 2015 erfolgreich Premiere im Berliner Dom feierte, wird Judas zu einem intellektuellen Zweifler, der kritische Fragen stellt: „Was war denn zu verraten, Jesus’ Aufenthaltsort? Den kannten Tausende. Sein großes Geheimnis, dass er Gottes Sohn sei? Das hat er selbst gesagt, vor allen Leuten!” Zu Beginn steht er auf dem verlorensten aller Posten. Die Zeugnisse gegen ihn scheinen erdrückend und er hat niemanden auf seiner Seite: Einer gegen alle. Von dieser schauspielerischen Grundsituation fühlt sich Becker herausgefordert. „Als Schauspieler treibt es mich an”, so Becker, „einen starken Gegner zu haben. Wenn es um Leben oder Tod geht, wenn etwas Existenzielles auf dem Spiel steht, bin ich in meinem Element. Ich suche die Extreme, denn nur dadurch entsteht die höchste Intensität, der Tanz auf dem Drahtseil.” Diese Grenze zu überschreiten, versucht der Sohn des Schauspielers Rolf Becker und der Schauspielerin Monika Hansen, der sehr geprägt wurde durch seinen 2013 verstorbenen Stiefvater, den Charakterdarsteller Otto Sander. Diese Grenzüberschreitung verlange die Figur des Judas auch, erklärt Becker, „eben weil die Auseinandersetzung mit Judas nicht nur in den Bereich der Kunst oder Theologie gehört, sondern Teil der Realität ist. Judas hat Geschichte geschrieben. Genauer gesagt, ihm wurde eine Geschichte zugeschrieben. Ihm wurden

« Aufgrund des großartigen Zuspruchs bei Zuschauern und Fachwelt geht Ben Becker mit seinem ursprünglich nur für eine einmalige Aufführung im Berliner Dom geplanten Stück „Ich, Judas”, das im November 2015 Premiere feierte, im März 2016 auf Deutschlandtournee. Dabei streift er auch den Sektor und ist in Düsseldorf und Bochum zu erleben. (Foto: Fritz Brinckmann) Eigenschaften angehängt wie etwa, dass er geldgierig ist, verschlagen, ein Dieb und Betrüger, der die Kasse manipuliert, einer, der Jesus um dreißig Silberlinge verrät und so weiter”, sagt Becker und ergänzt: „Jede dieser Zuschreibungen hat Konsequenzen, in jedem Vorurteil steckt ein Pogrom. Seine ,Schuld’ ist keine theoretische Frage oder innere Gewissensangelegenheit, sie hat die brutalsten Auswirkungen in der Welt bis hin zum Völkermord. Und diese Geschichte muss umgeschrieben werden.” Judas hat seine Rolle nicht selbst gewählt, „er wurde von Gottes Sohn dafür bestimmt. Ihm bleibt kaum etwas anderes übrig, als damit einverstanden zu sein, obwohl es die undankbarste, verdammteste Aufgabe ist. Während Jesus vor den Augen der Welt den Märtyrertod stirbt, erhängt sich Judas, ohne dass ihm jemand dabei zuschaut, ihn bedauert und betrauert. Den Judas in dieser Geschichte zu spielen, heißt, eine Schuld anzunehmen, die das menschliche Maß übersteigt. An ihr muss man zugrunde gehen“, so Becker und ist sich sicher, dass Judas sich geopfert hat. Von allen Jüngern bringe Judas als vermeintlicher Gegenspieler des Messias das größte Opfer, sagt er. Für Jesus zu sterben, sei tausendmal leichter als ihn zu töten, heißt es sinngemäß bei Walter Jens. Doch Judas nehme diese Rolle an. Den Verrat des Judas wertet Becker als „Gehorsam“. Es sei ein „Ja“ zu dem Part, den er als der Schuldige und Sündenbock in der Heilsgeschichte zu spielen hat. Aber – und das sei der dramatischste Bruch in dem Monolog – hätte er vielleicht „Nein“ sagen sollen? Becker: „Was wäre, wenn Judas sich gewehrt und den Gehorsam verweigert hätte?“ An dieser Stelle höre seine Verteidigungsrede auf und ein fundamentaler Zweifel fange an. Nicht nur die Welt habe Judas und seine Rolle falsch beurteilt, sondern Judas selbst erkennt, was sein Handeln bewirken konnte. Die Heilsgeschichte, die Judas durch seinen Part vollbracht habe, bestehe in einer Abfolge von Glaubenskriegen und blutigem Fanatismus, Kreuzzügen und Inquisition, Judenverfolgung und Holocaust. Und gehe so weiter bis heute. Becker: „Es ist sogar aktueller, weil schlimmer denn je, wenn man an die fundamentalistischen Konflikte der Gegenwart denkt.“ Da tue sich doch die Frage auf, ob es nicht besser gewesen wäre, Judas hätte gegen seine Rolle rebelliert. „Wäre sein ,Nein‘ zu dem Messias nicht ein millionenfaches ,Ja‘ gewesen zum Leben?“, so Becker. Das Mono-Drama „Ich, Judas“ gerät zum existentiellen Plädoyer für einen Verdammten, die Korrektur des größten Fehlurteils der Glaubensgeschichte und der Widerruf eines Irrtums, der die Welt gespalten hat. Becker sucht mit seiner Interpretation des Judas nicht nur den Widerstand gegenüber Feindbildern, Vorverurteilungen und falschen Gewissheiten. Er spielt Judas genau dort, wo die Fragen des Glaubens und Zweifels, der Erlösung und Verdammnis ihren Ort haben: im Haus Gottes. Die Musik und sakrale Wucht der Orgel, gespielt von dem Berliner Domorganisten Andreas Sieling, versprechen, Beckers Judas-Verteidigung vollends zu einem Ereignis werden zu lassen. dt ❚ BEN BECKER. ICH, JUDAS – Einer unter euch wird mich verraten! JOHANNESKIRCHE Düsseldorf, Martin-Luther-Platz 39; Termin: 17.3., 20 Uhr; Preise: 23,25-53,15 €/ CHRISTUSKIRCHE Bochum, Platz des europäischen Versprechens; Termin: 18.3., 20 Uhr; Preise: 24,55-49,25 €, Tickets: www.adticket.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen; Verlosung: 1x2 Tickets (18.3.) unter www.heinz-magazin.de ANDREAS SIELING (FOTO: KLAUS-DIETMAR GABBERT)

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