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HEINZ Magazin Oktober 2016, Ausgabe für Bochum, Herne und Witten

KINO TIPP DES MONATS

KINO TIPP DES MONATS Lebendiges Grauen Die Vergangenheit vergeht nicht Die Monstrosität der Nazi-Gräuel bleibt auch für das Kino ein unerschöpflicher Fundus der erzählerischen Vergangenheitsbewältigung. Neuestes Zeugnis davon legt der Jugendfilm „Nebel im August” ab. Mit der Geschichte des Ernst Lossa greift Regisseur Kai Wessel ein Thema auf, das bisher auf der Leinwand kaum berücksichtigt wurde: der Mord an Tausenden Kindern, die als „lebensunwert“ galten. E in knappes halbes Jahr nach „Das Tagebuch der Anne Frank“ steht das Thema Holocaust schon wieder im Fokus eines Jugendfilms. Anders als das Schicksal der Anne Frank ist die Geschichte des Ernst Lossa viel weniger bekannt, so wie die Ermordung von sozialen Randgruppen auch immer im Schatten des Genozids an den Juden stand. Fast fragt man sich, ob die „harte Kost“ den Jugendlichen schon wieder zugemutet werden muss. Aber kein Zweifel: Ja! Wenn das Wort „behindert“ in der Jugendsprache seit Jahren als Beleidigung salonfähig ist, dann sollen die Teenies auch wissen, wozu solch menschenfeindlicher Geist führt. Natürlich muss eine Produktion, die auf ein möglichst breites und auch jugendliches Publikum zielt, Konzessionen an Erzählkonventionen machen. Dabei mag sich der Cineast an gefälligen Identifikationsfiguren und plakativen Antagonisten wie der schön-grausamen Killer- Krankenschwester stören. Das Verdienst von Kai Wessel ist jedoch eine thematische Pionierleistung, die versucht, die komplexen Dimensionen der Nazi-Euthanasie und die infame Effizienz einer Gesellschaft der unbarmherzigen Mitläufer, Gehilfen und Opportunisten zu beschreiben. philipp koep ❚ NEBEL IM AUGUST D/A 2016, 126 Min., Regie: Kai Wessel, mit: Ivo Pietzcker, Sebastian Koch, Thomas Schubert, Fritzi Haberlandt, Henriette Confurius, David Bennent; Start: 29.9. 52 | HEINZ | 10.2016

STUDIOCANAL, ANJEZA CIKOPANO Qualvoller Mord statt schöner Tod – Das Euthanasie-Programm der Nazis Die alliierten Befreier verstanden die Welt nicht mehr. Als sie die Überlebenden aus dem Lager abholen wollten, rannten die Kinder panisch vor den Bussen mit dem Rotkreuz-Emblem davon. Für sie war das internationale Symbol für Rettung und Hilfe der Inbegriff des Bösen. In solchen Bussen hatten die Nazis die selektierten Kinder in die Mordzentralen der „Aktion T 4“ gekarrt. Noch vor der „Endlösung“ setzte 1939 die als „Aktion Gnadentod“ bezeichnete systematische Tötung von geistig und körperlich Behinderten ein. Allein in Deutschland fielen rund 200.000 Menschen, darunter etwa 5.000 Kinder, dem systematisch unter medizinischer Aufsicht betriebenen Mord zum Opfer. Zwar hatte der Gedanke der Euthanasie (griech. : der gute Tod) in medizinischen Kreisen vieler Länder Anhänger, doch es waren die Bedingungen der deutschen Diktatur, die dem Unternehmen seine ungeheuerliche Dimension verlieh. Wie beim Holocaust wurden die Tötungen unter irreführenden Begriffen an möglichst entlegenen Orten und mit pseudolegalen Rahmenbedingungen durchgeführt. Dennoch ließen sich die Operationen nie dauerhaft verbergen. Auch ohne klare Weisungen „von oben“ funktionierte der Apparat in einer verhängnisvollen Mischung aus wissenschaftlichem Ehrgeiz, Opportunismus, ideologischer Überzeugung und schlichter Gleichgültigkeit höchst effizient. Als die Öffentlichkeit von den Tötungsanstalten in Grafeneck, Brandenburg oder Hadamar erfuhr und sich Protest regte, wurde die Aktion 1941 heimlich dezentral weitergeführt. Die „Kinderfachabteilungen“ der beteiligten Einrichtungen sollten ihrerseits Vorschläge zur „Lösung“ erbringen. Neben der Vergasung durch Kohlenmonoxid in „Duschräumen“ wurden auch Medikamente und schließlich die „E-Kost“ eingesetzt, um die Patienten zu liquidieren. Die Ärzte stellten jedoch amtliche Todesurkunden aus, in denen sie anderslautende Todesursachen angaben. Dabei wurde ein qualvoller Tod in Kauf genommen, um Medikamente zu sparen und eine bestimmte Todesursache „nachweisen“ zu können. Die E-Kost bestand aus völlig zerkochter Gemüsesuppe, die durch ihre Gehaltlosigkeit zum „Verhungern durch Essen“ führte. Anders als für die KZ-Häftlinge erlebten die Insassen der Psychiatrischen Kliniken die Befreiung nicht als solche, sie blieben in den Einrichtungen unter zum Teil kaum verbesserten Bedingungen. In Kaufbeuren-Irsee, wo Ernst Lossa 1944 ermordet wurde, führte das Personal das Euthanasie-Programm noch knapp zwei Monate nach (!) der deutschen Kapitulation fort. Die „Euthanasie“ der Nazis blieb in Deutschland bis in die 1970er Jahre ein Tabuthema. Die verantwortlichen Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger konnten mit milden Strafen rechnen. Von denjenigen, die nicht später noch als Fachleute in Vernichtungslagern und KZs zum Einsatz kamen, wurde kaum jemand verurteilt, Begnadigungen waren häufig. Der Direktor von Kaufbeuren, Valentin Falthauser, musste seine Haftstrafe nach der Internierung durch die Amerikaner nicht mehr antreten und wurde 1949 als haftunfähig entlassen. 1954 wurde er vom bayrischen Justizminister begnadigt. Cinema OF Dreams 03.12.2016 Dortmund Westfalenhalle 1 www.apassionata.com Tickethotline: 01806 – 73 33 33 20 Cent/Anruf aus dem Festnetz, max. 60 Cent/Anruf aus Mobilfunknetzen STUDIOCANAL, BERND SPAUKE Ernst Lossa – Eine Symbolfigur wie Anne Frank Er verleiht dem Grauen des Nazi-Mordens ein Gesicht. 1944, im Alter von vierzehn wurde er in einer Außenstelle der Anstalt Kaufbeuren getötet. Für das Euthanasie-Programm der „unmenschlichen Mediziner“ des NS-Regimes war die Halbwaise eigentlich untypisch, denn der Junge war weder körperlich noch geistig behindert. Allerdings gehörte er der Bevölkerungsgruppe der Jenischen an, die – ähnlich wie die Roma und Sinti von den Nazi verfolgt wurden. Sie waren nichtsesshaft und verdienten sich ihr Auskommen durch Hausieren und Gelegenheitsjobs. Ernst Lossa wurde als schwer erziehbar mit „asozialem“ Charakter in das Heim von Kaufbeuren eingewiesen. Er durchschaute die Mordaktionen des Leiters Falthauser und versuchte, sie teilweise zu verhindern. Dadurch wurde er untragbar und wurde durch eine Giftspritze, die als Typhus-Schutzimpfung angekündigt war, am 9.8.1944 ermordet. Im Jahr 2008 veröffentlichte Robert Domes die Lebensgeschichte des Ernst Lossa unter dem Titel „Nebel im August“. 10.2016 | HEINZ | 53

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