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HEINZ Magazin Bochum 07-2016

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HEINZ Magazin Juli 2016, Ausgabe für Bochum, Herne und Witten

Schöne Scheiße

Schöne Scheiße Roth-Retrospektive Gewagter Ausstellungstitel! Dabei will „Schöne Scheiße. Dilettantische Meisterwerke” gar nicht provozieren, sondern beschreibt treffend Dieter Roths Art der Kunstproduktion. Roth verknüpfte lustvoll krasse Gegensätze und lässt auch gern mal dem Zufall freie Hand. Die Schau im Dortmunder U präsentiert ihn als Künstler, Dichter, Büchermacher, Musiker, der mit überbordender Kreativität sein kompliziertes Leben bewältigte. Dieter Roth: Kleiner Sonnenuntergang, 1972 (links oben) Dieter Roth: Selbstbild, als Hundehauf in Stuttgart am 27.10.73, 1973 (links mitte) Dieter Roth, Arnulf Rainer: Neo Nix und NEO-MIX, 1975 (links unten) Dieter Roth: Solo Szenen, 1997-1998, Installation view, Aargauer Kunsthaus, „Dieter Roth – Selbste“, Aarau, Switzerland (2011), Foto: David Aebi (rechts oben) Dieter Roth: Siebdruckbilder, 1967 (rechts unten) © Dieter Roth Estate, Courtesy Hauser & Wirth, Fotos: Jürgen Spiler 56 | HEINZ | 07.2016

ENDLICH I n der Kunstwelt ist der Grafiker und Poet Dieter Roth (1930- 1998) seit den 1960er Jahren bekannt für Bilder und Skulpturen aus verderblichen Materialien. Irgendwann mal schüttete er wütend Milch über eine misslungene Zeichnung und entdeckte Tage später entzückt das kreative Eigenleben von Schimmel. So fing es an. Mit Hilfe von organischen Produkten gestaltete er ästhetische. Ließ Streichkäse und Obstsäfte auf seinen Bildern verrotten, sodass sie farbliche und stoffliche Spuren hinterließen und sich bis heute weiter verändern. In den 1960er/70er Jahren lösten sich die Grenzen von Kunst und Leben auf. Process-Art und Fluxus entstanden, Roth mischte mit. Das Museum Ostwall beherbergt bereits weit über 200 Werke von Dieter Roth – darunter das kleine „Karnickelköttelkarnickel“ von 1970, aus Kötteln geformt, mit Stroh gespickt. Über 200 weitere Arbeiten kamen kürzlich als Dauerleihgabe hinzu, übereignet von dem Privatsammler Horst Spankus und seiner Tochter Kirsten. Mit diesem Konvolut wird das Dortmunder Museum zum Dieter-Roth-Zentrum. Die große Roth-Retrospektive aus jenem Anlass auf der Wechselausstellungsebene im Dortmunder U gibt mit rund 440 Exponaten Einblicke in ein hyperaktives Künstlerleben. Der in sechs Themenbereiche gegliederten Schau gelingt es, das Lebenswerk dieses rastlosen und eigenwilligen Künstlers nahezubringen, der zwischen Größenwahn und Verzweiflung schwankte. Zwar stellte er sich oft in den Mittelpunkt, schreckte aber auch nicht davor zurück, sich als Hundehaufen zu porträtieren. Auftakt ist eine große Raumarbeit – eine der wenigen externen Leihgaben – aus drei Großregalen mit 131 Videomonitoren, auf denen unterschiedliche Mitschnitte laufen. Alle zeigen den Künstler in seinem letzten Lebensjahr in seiner Wohnung. 1998 hatte Roth überall in seinen Privaträumen Kameras installiert, die seinen unspektakulären Alltag ins Bild rücken. Ein älterer Herr in Hausjacke, lesend, schreibend. Dies unter dem Motto „Protokolle des Alltäglichen“. Raum 2 geht ans Eingemachte. Roth versucht sich bildnerisch zu charakterisieren. Da sieht man Dieter von hinten, als amorphen Haufen, als kleine Löwenfigur oder in völliger Verwirbelung wie ein Derwisch auf der Drehbank. „Diffuse Selbste“ – er kann sich nicht fassen. „Was heißt das schon, ‚ich selber’, wer ist denn das, ich weiß es nicht“, sagte er mal – und präsentiert sich als Schokoladenrelief, das sich mit der Zeit zersetzt und, von Motten benagt, ranzig wird. Auch im Bereich „Automatische Schönheit“ herrschen Zufall und Zerfall. Schimmel und Mottenfraß werden Bildgestaltungselemente. Ihre ästhetischen Qualitäten setzte Roth gezielt ein, zum Beispiel bei Joghurtpressungen, „Käserennen“ oder der kleinen Serie romantischer „Sonnenuntergänge“: Eine Plockwurstscheibe versinkt in blauer Übermalung. Im nächsten Raum ein Kontrastprogramm – das macht die Ausstellung so lebendig: der ausgebildete Grafiker Roth als höchst präzise und akkurat arbeitender Siebdruck-Gestalter. Weitere Facetten: Roth als Dichter, Autor und Herausgeber von rund 500 Büchern, Gedichtbänden (darunter seine „Scheiße-Bücher“, 1966- 75), Künstlerbüchern bis hin zur „Zeitschrift für alles“, wo jeder, der wollte, Beiträge liefern konnte. Auch ein Roth-Projekt, das scheiterte, weil der Umfang nicht mehr zu bewältigen war. Besonders als Musiker hat Roth sich oft bewusst und genüsslich verhoben. Aus dem letzten Ausstellungsraum klingen schräge Töne, produziert in Kooperationen mit Künstlerkollegen, in unterschiedlichen Kapellen oder auch allein. Besucher können ihm beim munteren Dilettieren zuhören, zum Beispiel bei der „R adiosonate“, ein Solokonzert, 45 Minuten live im Radio. Erst hört man ihn flott Klavier spielen, doch nach wenigen Minuten schon fällt ihm nichts mehr ein. Die Zeit wird lang und länger, eine Dreiviertelstunde gilt es durchzustehen und er beginnt, sich furchtbar mit Whisky zu betrinken. Wir hören, ungeschnitten, ungefiltert, wie er immer wieder ansetzt, abbricht, stöhnt, schließlich die Minuten zählt, die er noch durchhalten muss. Er führt vor, wie Musik entsteht, was alles zu Kunstproduktion gehört. Dilettantismus ist ein cleveres Schutzschild. Wer Amateurhaftigkeit eingesteht, macht sich unangreifbar und kann gar nicht wirklich scheitern. Und ganz nebenbei entstehen freche, schöne Produkte, die noch heute inspirieren. Claudia Heinrich ❚ DIETER ROTH. Schöne Scheiße – Dilettantische Meisterwerke. Museum Ostwall im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse; Dauer: bis 28.8., Di/Mi/Sa/So 11-18, Do/Fr 11-20 Uhr; museumostwall.dortmund.de Samstag, den 02. Juli 2016 10:00 Uhr bis 15:30 Uhr Einladung zum Feiern Sie mit uns! 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