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12_2019 HEINZ MAGAZIN Wuppertal, Solingen, Remscheid

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KINO | TIPP DES MONATS

KINO | TIPP DES MONATS 52| HEINZ | 12.2019

Aye, Sir! Schauerdrama auf See FilmemacherRobert Eggers verstörte schonmit seinem vielbesprochenen Debütfilm „The Witch“,nun legtermit „DerLeuchtturm“einen weiteren Streifen vor, dergnadenlos unterdie Haut kriecht –und dabei ganzgroßes Kinomitbringt. I rgendwann imspäten 19. Jahrhundert treten der verschlossene Ephraim Winslow und der raue Thomas Wake ihren vierwöchigen Dienst im Leuchtturm einer kleinen Insel vor Maine an. Zwischen fiesen Möwen, harschem Wetter und schwelenden Machtkämpfen reiben sich die beiden Männer aneinander, bis die unausweichlicheEskalation kommt. ©Universal Pictures International (2) „Der Leuchtturm“ ist das, was man als essentielles Indiekino bezeichnen darf. Wenig von diesem Film hat Mainstreamappeal, erist eigenwillig und unberechenbar wie die See selbst, verschlossen wie ein grummeliger Matrose, dessen Geheimnisse unter der Oberfläche brodeln. Filmemacher Robert Eggers krönt die Eigensinnigkeit mit der Wahl eines quadratischen Bildformats, Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Dialoge imnautischen Jargon der Zeit. Zugänglicher ist der wirklich derbe Humor, bei dem auch der ein oder andere gut getimte Furz als gelungenes Stilmittel durchgeht. Dass man trotzdem seinen Zugang in die Welt dieses Leuchtturmes findet, verdankt der Film seinen beiden Hauptdarstellern. Willem Dafoe, der sein bestes manisches Grinsen und wahnhaftes Augenleuchten mitbringt, genauso wie Robert Pattinson. Der beweist hier abermals sein immensesTalent und spielt sich überzeugend vom introvertiertenGehilfenzum entfesselten Irren. „Der Leuchtturm“ strotzt vor Kreativität, es ist ein inspirierter Film, in dem Handwerk zur Kunst wird. Das sieht man etwa in der Art, wie Licht und Schatten genutzt werden, uminDüsterheit getränkte Bilder zu erschaffen. Oder im terrorisierenden Sounddesign, mit Nebelhorn und Möwenkreischen, das von der ersten Sekunde bedrückt und jede Windböe zur Bedrohung stilisiert. Das quadratische Bildformat nutzt Eggers vortrefflich aus, um ein Gefühl der Enge zu erzeugen. Wie die zwei Leuchtturmwärter, fühlt man sich von den ungewohnt nahen Bildrändern stets etwas bedrängt. Eimerweise Atmosphäre triefen aus jeder Szene und lassen den Wahnsinn, der sich in der Geschichte aufbaut, auch unter die Zuschauerhaut kriechen. „Der Leuchtturm“ ist einer dieser Filme, bei dem man maximal verstört den Kinosaal verlässt und sich dann gerne Zeit nehmen darf, das Gesehene sacken zu lassen. Es ist Horror auf eine andere, eine intellektuelle Art, wenn man so will. Barsch, herausfordernd, gewaltig, injeder erdenklichen Körperflüssigkeit getränkt und, auf seine Art, von prachtvoller Schönheit. Lässt man sich darauf ein, wartet ein fantastisches Filmerlebnis. LukasVering ❚ DERLEUCHTTURM USA,CAN 2019 R: Robert Eggers; D: Robert Pattinson,WillemDafoe; Start: 28.11. Der dritte Hauptdarsteller „Der Leuchtturm“ beschränkt seine Handlung auf einen Ort und zwei Menschen. Insel, Behausung und Leuchtturm werden dabei zumdritten AkteuerimKammerspiel.Gedrehtwurde der Film in der kanadischen Fischergemeinde Cape Forchu, einer Landspitze der Seeprovinz Nova Scotia. Der titelgebende Leuchtturm samt anliegenden Gebäuden wurde dafür extra von Grund auf gebaut. 25 Meter hoch ist der Turm, der einen akkuraten Nachbau einer amerikanischen Leuchtfeueranlage des 19. Jahrhunderts darstellt. Ein bisschen Fantasterei ist dennoch in das Design geflossen. Das Ergebnis: Eine verwunschene Ausstrahlung, die von mehr als nur harscher Witterung erzählt. Ein leichter Vibe von den düsteren Übernatürlichkeiten einer H. P. Lovecraft-Geschichte geht von diesem Leuchtturm aus –und transportiert damit das Gefühl des Films. Gedreht wurde im März, die harte Kälte des Winters sieht man dem Film injeder Szene an. Allerdings: Viele der Innenaufnahmen entstanden in Studios und Lagerhallen, da gewisse Kamerafahrten und -einstellungeninechtenGebäudennicht umsetzbargewesen wären. lv 12.2019| HEINZ |53

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