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12-2018 HEINZ MAGAZIN Bochum, Herne, Witten

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KUNST| TIPP DES MONATS

KUNST| TIPP DES MONATS Big Female Data Frauen mit Rechnerleistung DerHartwareMedienKunstVerein (HMKV)imDortmunder Ubearbeitet zur Zeit eine berechtigteFrage: WarumwerdenComputertechnik und Digitalisierung eigentlich als Männerdomäne gesehen?Die Ausstellung „Computer Grrrls“ zeigt, dass dieGeschichtedes Programmierens eine wichtige weibliche Seitehat –die zu oftinVergessenheit gerät. U manihr Thema heranzuführen, haben die Kuratorinnen Inke Arns und MarieLechnervielRecherchearbeit in eine Zeitlinie gesteckt, die den Besuchern auf elf Metern mit über 200 Einträgen die Beziehung von Frauen und Rechenmaschinen bzw. Computertechnikvom 18.Jahrhundert bis in die Gegenwart näherbringt.Dorterfahrendie Besucher, dassRechnenamBeginndes 20. Jahrhundertsals weibliche Tätigkeitgalt. Frauen berechnetenastronomischeDaten,knacktenden Verschlüsselungscode der Nazis und kalkulierten ballistische Flugbahnen für die Armee. Sie wurden „Bletchleygirls“, „ENIAC girls“ oder „kilo-girls“ genannt. Der erste vollelektronische Computer in denUSA wurde vonFrauen programmiert. „Mein Lieblingsbild in der Timeline ist das der NASA-Programmiererin Margaret Hamilton vor einem Stapel Papier, der so groß ist wie sie selbst“, sagt HMKV-Leiterin Inke Arns. „Das war ihr Code für die Mondlandung.Wennich so ein Bildmal in einem Technik-Lehrbuch gesehenhätte…“ Arns‘ Generation wuchs schon inder Annahme auf, dass Informatik ein von Männern dominiertes Geschäft sei. Ab den 1960er-Jahren entwickelte es sichtatsächlich dorthin. DieEinführung des Personal Computer wurde 1985 als reines Männer-Ding beworben. Auch aus dieser Zeit zeigt die Ausstellung historisches Marketing-Material: DenMannanBildschirmund Tastatur,die Frau den Haushalt bestellend. Allein die Auswahl der ausgestellten Werke der Schau „Computer Grrrls“ istein starkesStatement: Die 26Positionen stammen von22 Frauen und einem Mann. Eingeladen waren nicht nur Künstlerinnen, sondern auch Hackerinnen, Makerinnen und Forscherinnen, die daran arbeiten, Technologie anders zudenken, indem sie etwa genderspezifische Vorurteile in denBereichenBig Data und KünstlicheIntelligenz hinterfragen. MitschönenGrüßen nachSilicon Valley Bei ihrer Beschäftigung mit dem Thema ist zum Beispiel das ironische Video „A Total Jizzfest“ herausgekommen, das die Künstlerin Jennifer Chan den ausschließlich männlichen Gründern des Silicon Valley widmet. Mit kitschiger Musik unterlegt, offenbart sie die Selbstinszenierung der Geeks und Nerds. Die eingangs erwähnten großen Aufblasfigurenstammen vonSimoneC.Niquille.Für ihre Ar- 48| HEINZ |12.2018

BB Promotion in cooperation with Semmel Concerts presents aproduction ofPaul Walden and Derek Nicol for Flying Music inassociation with Adrian Grant for Key Concerts ©Dasha Ilina, „Center for Technological Pain“, Installation, 2018 ©Dasha Ilina. Lauren Huret, „Breaking the Internet“, Video Still, 2016, ©Lauren Huret ©Caroline Martel, Still aus „The Phantom of the Operator“, 2004, public domain/artifact productions PHOTO OF PREVIOUS CAST MEMBER Elisabeth Caravella, „Howto“, 2014 ©LeFresnoy, Studio National beit „The FragilityofLife(DieZerbrechlichkeitdes Lebens)“ist siean den 3D-Datensatz eines Hillary-Clinton-Doubles gekommen und hat sie an zwei verschiedene Hersteller von Aufblas-Puppen geschickt. Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, inwelch weiter Spanne MaschinenKörperdaten interpretieren können. In vielen Arbeiten geht es um die Normierung und Optimierungdes menschlichen Körpers. Erica Scourti hat für „Body Scan“ zum Beispiel ihre eigenen Körperteile abfotografiert und in Bildersuchen eingegeben. Ein Befund: Wenn es um weibliche Brüste geht, poppenals erstesVerbesserungsvorschläge auf. So haben die ausgestellten 3D-Drucke, Videoinstallationen, Filmtutorials, Skulpturen,Poster, sezierte analogeRhythmusgeräte, ein Friseursalon und ein Virtual Reality Set, ein Dokumentarfilm, eine stereoskopische 3D-Projektion, Fotografien, Figuren,Zeichnungenund Aquarelle vor allem eins gemein: einen kritischen Blick auf das Feld vonComputertechnikund Digitalisierung. Max Florian Kühlem ❚ COMPUTERGRRRLS: HMKV-Hartware MedienKunstverein im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse,Dortmund; Dauer: 27.10.-24.2., Öffnungszeiten:Di-Mi 11-18 Uhr, Do+Fr11-20 Uhr, Sa+So11-18 Uhr; Preis: Eintritt frei 31.01.-03.02.19 Colosseum Theater Essen 06.02.19 König-Pilsener-ARENA Oberhausen Tickets: 01806 -101011*· www.thriller-live.com *0,20€/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,60€/Anruf.

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