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10_2019 HEINZ MAGAZIN Duisburg, Oberhausen, Mülheim

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KULTURKOPF|INTERVIEW

KULTURKOPF|INTERVIEW Perfekt unperfekt 44| HEINZ |10.2019

Kabarett aus derReihenhaussiedlung Schauspiel,Gesang und Tanz: Alldas,mit einer großzügigen Portion Comedy,vereint MariaVollmer aufder Bühne. Am 11.Oktober präsentiertsie ihr neues Programm „Tantra,Tupper und Tequila“ im Bochumer Zauberkasten.Was hinterihren Auftritten steckt,wie sie mit Rollenklischees umgehtund warumesimAlter auch mal Tequila sein darf,hat die Kabarettistin ChantalMollim Gespräch verraten. ©Ulrike Reinker, Düsseldorf D uwarst zuerst aufeiner Musicalschule,hastdanach in Rotterdam eine Tanzausbildung gemacht, ursprünglich kommst du ausBaden-Württemberg.Wie kamst du zurComedy undins Rheinland? DasMusicalfach war mir irgendwann zu oberflächlich, deshalb habe ich danach noch Tanz studiert. Ich habe elf Jahre lang getanzt und irgendwann beschlossen, dass ich aus dieser Ernsthaftigkeit raus möchte. Mit einer Kollegin zusammen habe ichdannmehr oder weniger blauäugig ein Comedy-Projekt auf die Beine gestellt. Durch die Kabarettentwicklung zog es mich nach Köln und dort lernte ich meinen Mann kennen. DerLiebewegen bin ichdorthin gezogen. Worüber sprichstduauf derBühne? Über Themen, die so in der Welt sind. Ich stelle mir die Frage: Was bewegt mich, was bewegt meine Nachbarn? Über meine Lebenssituation, von der aus ich die Dinge betrachte. Ich wohne ineiner Reihenhaussiedlung mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen. Das ist mein Ausgangspunkt. Ansonsten gucke ich immer erst mal bei mir über den Gartenzaun. Ich als Frau habe eine spezielle Sicht auf die Dinge, ich sehe michselberimFadenkreuzdieser Anforderungen. Welche Anforderungen genau meinst du? Die Anforderungen anMänner und Frauen sind unterschiedlich, das ist einem aber nicht immer ganz bewusst. Männer müssen inder Regelnur perfektimBerufsein.EineFraumuss in allemperfekt sein. Sie muss perfekt im Job und als Hausfrau sein. Außerdem ist esimmer noch nicht selbstverständlich, dass eine Frau beides macht. Mein Mann macht auch Kabarett. Bei ihm ist niemand überrascht, dass erKinder hat. Bei mir schon, weil sie sich nicht vorstellen können, dass ich beides untereinen Hutbekomme. Und du kannst Familie und Berufvereinbaren? Genau das meine ich mit den Anforderungen: Männern werden solche Fragen nicht gestellt. Organisation ist alles! Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht aufhöre zu arbeiten, wenn ich Kinder habe. Das war die Bedingung an meinen Mann. Das hat eigentlich immer funktioniert, man muss sich allerdings darauf einlassen, denn esist schon anstrengend. Wenn ich von der Tour nach Hause komme, dann kann ich mich nicht schön ausruhen, sondern muss gleich gucken, ob die Kinder schon im Bett sind, ihre Ranzen gepackt haben und sowas. Aber es geht und ich finde es wichtig, das mitzuteilen. Man muss nicht überall perfekt sein, auch nicht als Frau. Gibt’s diese Klischees noch? Lebstdusie selbst? Sobald Kinder ins Spiel kommen, rutscht man „Ich als Frau habe eine spezielleSicht auf die Dinge, ich sehe michselber im Fadenkreuz dieser Anforderungen.“ ©Ulrike Reinker, Düsseldorf in so ein uraltes Klischee. Ich beobachte das ganz häufig, dass die Frauen zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern, weil die Männer mehr verdienen. AmAnfang bin ich doch schnell insoeine Rolle gerutscht. Da musste ich mich auch erst mal rausarbeiten. Ich sehe mich deshalb nicht soindieser Rolle, weil ich immer gesagt habe, dass ich auf jeden Fall die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hinbekommen möchte. Würdest du dich als „typisch Frau“ bezeichnen? Gibt es sowasüberhaupt? Solche Klischees gibt es und in erster Linie sind sie nicht schlimm. Einige stimmen, andere nicht. Ich bin nichtdie Frau,die ständig durchdie Läden renntund shoppt, das ist mir persönlich zu anstrengend. Aber dennoch kaufe ich mir gerne Dinge und ich bediene auch ein paar Klischees. Man sollte sich selber nicht so ernst nehmen und mal über sich lachen können. Es geht darum, das zutun, was einem selber wichtig ist, unabhängig davon, ob mandamit ein Klischee erfüllt oder nicht. In deinemdritten Programmheißtes„Push-up, Pillen und Prosecco:Hinter’mEisprung geht es weiter“. Wie istdas zu interpretieren? Push-up, Pillen und Prosecco, das sind so die Dinge, die Frauen ab 40 brauchen. Push-up um sich körperlich wieder aufzupeppen, Pillen umdas Leben zuertragen und Prosecco um Spaß zu haben. Das ist eine Lebensphase, inder man langsam überlegt: Starte ich jetzt nochmal durch, gehe ich in Rente oder was mache ich? Ab 50 ist es dann soein „Jetzt ist es auch egal, jetzt kann ich machen, was ich will“. Das hat was Befreiendes und das ist auch das, was ich vermitteln möchte. Esist nicht mehr sowichtig was andere denken. In meinem neuen Programm führe ich das Thema weiter, gehe aber auch darüber hinaus. Mit dem Alter brauchen Frauen schonetwas Härteres: Tequila. Wie siehtdas deinPublikum? Überwiegend sitzen Frauen im Publikum, was ich auch schön finde. Die sind sehr dankbar, dass da mal eine Frau auf der Bühne steht und versteht, wie es ihnen geht. Sie erkennen sich darin wieder. Oft werden die Männer dann mitgeschleppt. Die bedanken sich auch häufig bei mir. Einer sagte letztens: „Danke, jetzt weiß ich endlich, was in meiner Frau so vor sich geht“. Das tut mir gut und dem Publikum auch. Lachen hat jaauch etwas Therapeutisches. ❚ MARIAVOLLMER–Tantra,Tupper undTequila Zauberkasten,Lothringer Str. 36,Bochum; Termin: 11.10. // WeitereTermine: 12.10., Südbahnhof, Saumstr.9,Krefeld; 30.10., Takelgarn, Philipp-Reis-Str. 10,Düsseldorf;9.11., CabaretQueue,Hermannstr. 74,Dortmund; 30.11., Bürgerbahnhof Vohwinkel, Bahnstr.16, Wuppertal 10.2019| HEINZ |45

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